Streik : Mal wieder Ärger mit der BVG

Es wird gestreikt. Unbefristet. Als ob man das noch erwähnen müsste! Schon kapiert: Wenn die U-Bahn-Schächte verschlossen sind und die Busse nicht anrollen ist klar, dass da irgendwas im Busch ist.

Diana Maier

Berlin Befristet, unbefristet. Jeder Tag ist da einer zuviel. Frechheit oder noch größere Frechheit, wäre wohl das Bonmot, das beschreibt, was der gemeine Berliner derzeit über die Verkehrsbetriebe denkt.

Berlin ausgebremst

Die Hauptstädter zu Fuß, auf dem Fahrrad oder im eignen Wagen. Schön für den, der eines oder beides hat - für mich gilt: weder noch! Was einzig und allein meine Mobilität garantiert ist die Monatsmarke der BVG, die ich mir - gelinde gesagt - für gestern, heute, morgen - quasi "unbefristet", so die gewerkschaftsjuristische Formulierung von Verdi, in die Haare schmieren kann. Und unter uns: Im Rückblick bin ich froh, aus unterschiedlichen Gründen, für den neuen Monat noch keine Marke gelöst zu haben, die mich in diesen Tagen nicht nur Geld, sondern auch Nerven kostet!

Nach bestem Wissen und Gewissen

Wer glaubt, für unvermeidbar entstehende Taxikosten - es gibt Berliner, die dem gängigen Klischee widersprechend bereits ab sechs Uhr früh arbeiten, irgendeine Form der Entschädigung zu erhalten, irrt. Und zwar gewaltig. Der Arbeitgeber ist zu einer solchen Kompensation nicht verpflichtet. Und die BVG? Die schert sich einen Dreck. Vier Wochen bezahlt, eine Woche per pedes zur Arbeit weil Streik - Pech gehabt! Die Notversorgung ist doch garantiert. "Die S-Bahnen fahren", wundert sich Petra Reetz, die Pressesprecherin der BVG, über meinen Unmut. Stimmt: Auch der Fährverkehr ist nicht vom Streik betroffen. Nur hilft das wenig! Und Fremdfirmen fahren für die Berliner Verkehrsbetriebe. Soso. Aber "leider dürfen wir nur einen bestimmten Prozentsatz an Fremdfahrern einsetzen". Wie schade!

Die BVG kann den Streik nicht verbieten

Während unseres Telefonats entschlüsselt Petra Reetz ganz diplomatisch ein offenes Geheimnis: "Wissen Sie, das ist ganz einfach. Wir, die BVG werden bestreikt. Und ein Streik, das ist gesetzlich geregelt, ist so etwas wie höhere Gewalt". Verstehe. Ist aber kein Trost. Kein Trost für die mehr als doppelt so lange Fahrzeit zum Arbeitsplatz, kein Trost für die zusätzlich entstehenden Kosten - denn in der kommenden Woche werden meine täglichen Verpflichtung, sollte die S-Bahn auch noch bestreikt werden - nur durch die Nutzung eines Mietwagens erfüllbar sein. Und kein Trost für meinen Berlin-Besuch, der bei winterlichen Temperaturen und Schneeregen in diesen Tagen trotz des Willens zum Mieten eines Fahrrades nicht vom Fleck kommt. Höhere Gewalt? Schöne Grüße auch an Verdi, wir sprechen hier eher von einer unerhörten Zumutung!

Verluste fürs Land

"Wir verkaufen am Tag normalerweise eine halbe Million Fahrscheine", erklärt die gestandene Pressefrau Reetz, "da wir zu hundert Prozent dem Land Berlin gehören, macht derzeit ja auch das Land Verluste". Das heißt, Verdi setzt die BVG energisch unter Druck. Im Umkehrschluss: Würde die BVG ihren Mitarbeitern die von Verdi geforderten 12 Prozent mehr Lohn gewähren, wären das, so berechnet Petra Reetz am Hörer "rund 50 Millionen Euro Miese". Und wo sollen die im Pleite-Land Berlin bitte schön herkommen?

Mehr Druck geht nicht

Das weiß keiner, vermutlich weiß dass auch der Streikführer bei Verdi, Frank Bäsler, nicht. Trotzdem werden die BVG und spürbar die Berliner bestreikt. Um mit Thilo Sarrazin, Berlins Finanzsenator und Aufsichtsratsvorsitzendem der BVG, zu sprechen: Der Rundum-Streik ist "nicht angemessen". Das hoch verschuldete Landesunternehmen BVG kann ohnehin nur zahlen, was "vernünftig" ist. Und bis es soweit ist, müssen Berliner und Geschäftsleute, die auf die Verkehrsbetriebe angewiesen sind, dafür bluten. Nach Einschätzung der BVG sollen sich die Berliner gut auf den Streik eingestellt haben. Ach was. Eingestellt hat sich nur die Einschätzung, dass Verdi und damit auch die BVG ihren Arbeitskampf letztlich auf dem Rücken der Berliner austragen.

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