• Streik schadet Berlins Image im Ausland Tourismusexperte sieht „Reizschwelle“ erreicht

Berlin : Streik schadet Berlins Image im Ausland Tourismusexperte sieht „Reizschwelle“ erreicht

Laura Wieland

Der Streik könnte Berlin noch teurer zu stehen kommen: Langfristig schadet der Streik dem Image der Stadt, befürchtet die Berliner Tourismus Marketing GmbH (BTM). Zwar sei nicht mit einem kurzfristigen Effekt in Form vermehrter Reisestornierungen zu rechnen, sagt Sprecher Christian Tänzler. „Die Gäste haben fest gebucht und wollen sich nicht den Urlaub versauen lassen.“ Die angekündigte Verlängerung des Streiks habe jedoch negative Auswirkungen auf die Berlin-Buchungen von Touristen und kratze sehr am Image der Hauptstadt, die unter anderem auch für ihre öffentlichen Verkehrsmittel bekannt ist. „Die BVG hat bisher einen hervorragenden Ruf genossen“, sagt Tänzler. „Sie gilt international als schnell, sauber, zuverlässig, vergleichsweise preisgünstig und fährt am Wochenende die Nacht durch.“

Doch je länger der Streik anhält, desto mehr kippt die Stimmung. „Langsam haben wir eine Reizschwelle erreicht“, sagt Tänzler. „Und es ist kein Ende in Sicht.“ Besonders ungünstig sei, dass „die Busse der Linie 100 und 200 inoffizielle Touristenrouten sind und mittlerweile in jedem Reiseführer stehen“, sagt Tänzler. Die Besucher würden sich ärgern, wenn dieses Angebot wegfalle. „ Vor allem die Touristen, die vorab die Berlin Welcome Card gekauft haben, mit der sie freie Fahrt mit der BVG haben, werden maßlos enttäuscht sein.“

Die BTM hat bereits mehrere Anfragen ausländischer Medien zum Thema erhalten. In Frankreich und Italien frage man sich, wie das sein könne, dass ausgerechnet in Deutschland seit einer Woche gestreikt wird. Der Streik sorge europa- und weltweit für ein schlechtes Renommee für Berlin, findet auch Sigrun Ahnert, Gästebetreuerin beim Touristikunternehmen Bex. Während der Internationalen Tourismusmesse habe der Streik einen erheblichen Imageschaden angerichtet, bestätigt Willy Weiland, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Berlin. Ob jedoch über Ostern die Gäste fernbleiben, sei noch nicht abzusehen. „Wenn eine Reise kurzfristig abgesagt wird, kann das an vielen Dingen liegen: am Wetter oder daran, dass Ostern dieses Jahr so früh liegt“, sagt Weiland. Problematischer sei vielmehr die Tatsache, das ständig alle Taxen belegt seien.

Der britische Tourist Adrian Page, 60, ist von Bristol aus mit dem Bus angereist. In Berlin will er sich eine Woche lang alle Sehenswürdigkeiten zwischen Olympiastadion und Checkpoint Charlie ansehen. Eigentlich Zeit genug, aber den Streik hat er nicht eingeplant. „Ich werde hoffentlich trotzdem alles sehen können, aber es ist schade, dass es so mühsam ist“, sagt Page, der jetzt die Stadtrundfahrt-Busse als U-Bahn-Ersatz nutzt. „Man ist schon lang unterwegs, um von A nach B zu kommen, aber ich lass mir davon nicht den Urlaub verderben.“Laura Wieland

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