Berlin : Streikklima wird rauer

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Der Ton beim Bauarbeiterstreik wird rauer. Die Gewerkschaft IG Bau warf den Arbeitgebern „provokantes Verhalten“ vor, indem sie versuchten, ausländische Arbeiter als Streikbrecher einzusetzen. Demgegenüber sprach der Bauindustrieverband von einem rechtswidrigen Verhalten der Gewerkschaft, wenn Arbeitswillige durch Streikposten behindert werden. Gestern Vormittag kam es erneut zu einem Vorfall mit einem Polizeieinsatz auf der Baustelle Beisheim-Center am Potsdamer Platz. Zudem gab es dort wie auch am Dom-Aquarée Auseinandersetzungen mit eigens eingesetztem Wachpersonal.

Wie der Berliner Streikleiter der IG Bau, Rainer Knerler, sagte, wollte am Beisheim-Center eine der dort tätigen Baufirmen eine Kolonne mit rund 50 portugiesischen Arbeitern auf die Baustelle schicken. Darauf hätten die Streikposten mit Protestrufen und Pfeifkonzerten reagiert. Man habe die portugiesischen Arbeiter mit Flugblättern über den Streik aufgeklärt, dass sie sich nicht als „Streikbrecher missbrauchen lassen sollen“. Sie hätten dann keinen Versuch gemacht, auf die Baustelle zu gelangen. Tätlichkeiten habe es nicht gegeben, so dass die Polizei letztlich nicht eingreifen musste. Dies bestätigte auch ein Polizeisprecher. Knerler nannte das Verhalten der Arbeitgeber „höchst unsensibel“. Er warne davor, die Situation eskalieren zu lassen.

Am Vortag hatten die Bauarbeitgeber vor dem Arbeitsgericht eine einstweilige Verfügung erwirkt, wonach der Gewerkschaft bei rechtswidrigen Streikmaßnahmen, die zur Blockade einer Baustelle führen, ein Ordnungsgeld bis zu 100 000 Euro droht. Heute entscheidet das Landesarbeitsgericht über eine weitere einstweilige Verfügung, die eine Baufirma beantragt hat.

Die Gewerkschaft hat gestern ihren Streik nicht sonderlich ausgeweitet, lediglich drei Bauhöfe wurden in den Arbeitskampf einbezogen. Inzwischen sind in Berlin rund 1400 Arbeiter auf knapp 30 Baustellen im Ausstand. sik

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