Streit am Brandenburger Tor : Lebende Fotomotive wechseln die Seite

NVA-Soldaten, Darth Vader und der Bär: Am Brandenburger Tor sind die lebenden Fotomotive nicht erwünscht. Trotzdem machen sie auf der Rückseite des Monuments einfach weiter – zur Freude der Touristen.

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Bärensache. Für viele Touristen gehört ein Foto mit dem Berliner Wahrzeichen zum Besuch dazu. Am besten lebend.
Bärensache. Für viele Touristen gehört ein Foto mit dem Berliner Wahrzeichen zum Besuch dazu. Am besten lebend.Foto: Kai Uwe-Heinrich

Eine schnelle Bewegung, dann sitzt das grüne Männchen nur noch zehn Zentimter von Daniela Bizhges linkem Oberschenkel entfernt. Die Konsequenz aus einer bedeutsamen Geste: Daniela Bizghes hat ihren Geldbeutel geöffnet. Dann wirft sie zwei Euro in die Blechbüchse, die vor dem Männlein steht. Alles neben der jungen Albanerin ist moosgrün: die Uniform des NVA-Soldaten, sein Helm, sein Gesicht, seine Stiefel. Eine moosgrüne Ganzkörper-Provokation.

Der vollgeschminkte Soldat sitzt auf der Parkbank im Simsonweg, weil er 60 Meter weiter, am Brandenburger Tor, nicht erwünscht ist. Kein Schausteller ist dort erwünscht, deshalb sind sie alle in den herrlichen Flanierweg auf der anderen Seite des Tors ausgewichen, der moosgrüne NVA-Soldat mit seinem Helm, der NVA-Soldat mit dem silbernen Gesicht und der Schirmmütze, der Osterhase, Darth Vader und natürlich der Berliner Bär. Der Bezirk Mitte möchte die bei Touristen beliebten Fotomotive nicht mehr am Brandenburger Tor haben, empfindet die Verkleideten als Störfaktoren am historischen Ort.

Das Foto mit dem Bär ist wichtig

Blödsinn, sagt Arthur Tegja. „Es ist nicht fair, sie zu vertreiben." Der Tourist ist mit Daniela Bizghe hier. Sie hätte sich auch nicht daran gestört, wenn die lebenden Figuren 60 Meter weiter posierten. Aber für sie ist vor allem das Foto wichtig – sie neben dem Soldaten. Sie wird es zu Hause Freunden zeigen. „Viele Menschen in Albanien waren noch nie im Ausland, die wollen sehen, wie es dort ist“, sagt sie. Ob dafür ein Bär nötig ist?

"Er gehört an einen historischen Ort"

Eine Minute später reckt der NVA-Soldat wieder den Daumen. Eine vierköpfige Gruppe aus Hannover hat ihn als Motiv entdeckt. „Ich finde, er gehört an einen historischen Ort“, sagt eine Frau aus dem Quartett. Auch ein junger Holländer, der seine Freundin neben dem NVA-Schirmmützenträger abgelichtet hat, könnte sich die Protagonisten gut am Pariser Platz vorstellen. Ein älterer Mann dagegen nicht, aber er ist in diesen Minuten der Einzige. „Mir waren es vor dem Brandenburger Tor zu viele Figuren.“

Kein Statement von den Darstellern

Die Betroffenen selbst schweigen. Der silbergesichtige NVA-Soldat reagiert auf Fragen abweisender als ein echter DDR-Grenzer bei der Ausreisekontrolle, sein moosgrüner Kollege wedelt nur abwehrend mit der Hand.

Ansonsten sind sie durchaus agil, schlecht läuft das Geschäft auf der anderen Seite des Brandenburger Tors jedenfalls nicht. Die Darsteller machen ganz gut Umsatz am Sonnabend. Am wenigsten kassiert noch Darth Vader, kein Wunder, wenn viele so denken wie der kleine Junge, der ängstlich an der Hand seines Vaters einen großen Bogen um die Star-Wars-Figur zieht.

Über Ostern dürften die Einnahmen noch zunehmen – die Stadt ist schon am ersten Ferienwochenende voller Touristen, und das Wetter soll schön bleiben. Noch funken auch Politik und Polizei nicht dazwischen. Derzeit wird geprüft, wie das Verbot über den Pariser Platz hinaus durchgesetzt werden kann. Carsten Spallek, der Baustadtrat von Mitte, war für eine weitere Stellungnahme dazu gestern nicht erreichbar.

Die drei Gestalten, die am Sonnabend in einem hautengen dunkelblauen Vollkörperanzug direkt am Pariser Platz herumliefen, ließ die Polizei in Ruhe, obwohl zehn Meter weiter ein Streifenwagen stand. Werbefiguren für die „Blue Man Group“? Nein, Protestler der europakritischen AfD. Aber mit denen wollte sich niemand fotografieren lassen.

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