Streit in der Poelchau-Schule : Direktor soll pensioniert werden

Poelchau-Schulleiter Rüdiger Barney soll kommenden Dienstag pensioniert werden - zumindest wenn es nach der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft geht. Schüler, Lehrer und Eltern protestieren dagegen.

Jessica Tomala
Foto: Georg Moritz
Foto: Georg MoritzFoto: Georg Moritz

Seit 1996 ist Rüdiger Barney Direktor an der Poelchau-Sportschule in Charlottenburg, die bekannt ist für ihre Absolventen, wie Jérôme und Kevin-Prince Boateng. Zum Ende des Schuljahres will er in den Ruhestand gehen. Der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft ist das nicht früh genug. Der 64-Jährige soll bereits am kommenden Dienstag pensioniert werden. Schüler, Lehrer und Eltern protestieren dagegen.

Die Schüler der Poelchau-Schule demonstrieren gegen die Pensionierung des Schulleiters.
Die Schüler der Poelchau-Schule demonstrieren gegen die Pensionierung des Schulleiters.Foto: Georg Moritz

Der offizielle Grund für seinen Abgang sind die 2003 eingeführten Arbeitszeitkonten (AZK). Die Arbeitszeit von Beamten war auf 42 Stunden erhöht worden, als Ausgleich konnten Lehrer sich pro Schuljahr fünf Tage auf ein Arbeitszeitkonto gutschreiben lassen und diese Tage zum Berufsende abbummeln. „Ich habe 50 Tage angesammelt. Wenn man von meinem Geburtstag rückwärts rechnet, müsste ich am 19. März gehen“, erklärt Barney. Lehrer können sich die freien Tage aber auch ausbezahlen lassen und an der Schule bleiben. Diesen Antrag habe er gestellt, die Senatsverwaltung hat ihn abgewiesen. Laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) Berlin sind monatlich etwa 100 Lehrer von der AZK-Regelung betroffen. „Das AZK soll durch Freizeit ausgeglichen werden, es sei denn, es stehen dem dienstliche Belange entgegen“, sagt Beate Stoffers, Pressesprecherin der Senatsverwaltung für den Bereich Bildung. Hier sei das nicht der Fall.

Barneys Stellvertreter, Ehrhard Koch, der Ende Oktober in den Ruhestand geht, würde den Schulleiter vertreten – zusätzliche Arbeit für ihn. Deshalb hat er eine Überlastungsanzeige gestellt, was die Lehrer als „dienstliche Belange“ für den Verbleib des Schulleiters sehen. Die Senatsverwaltung nahm dazu nicht Stellung. Auf die Ausbezahlung der freien Tage würde Barney verzichten oder das Geld dem Förderverein spenden. Den eigentlichen Grund sehen die Lehrer woanders. „Herr Barney war kein bequemer Mensch für den Senat“, sagt Lehrerin Elke Este. Als er sich beim Asbestproblem in der Eliteschule des Sports gegen den Senat stellte, habe er sich unbeliebt gemacht. „Ohne Barney wäre die Schule nicht da, wo sie ist“, sagt Lehrer Karsten Sokolowski. Die Lehrer fordern vom Senat, einen Vertreter zu schicken, der Stellung bezieht. „Mit einem Menschen, der so viel für die Schule gemacht hat, kann man nicht so umgehen“, sagt Elternvertreter Peter Lummel. Selbst die Schüler protestieren: Über dem Eingang hängen Plakate mit der Aufschrift „Ohne Barney, ohne uns“. Jessica Tomala

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