Streit in Flüchtlingsunterkunft : Heimleiter fristlos gekündigt

Neuer Vorfall an einer Flüchtlingsunterkunft, an der es aggressive Auseinandersetzungen gegeben hat: Der Leiter wurde entlassen - und macht dem Betreiber Vorwürfe.

Susanne Romanowski
Wer schützt hier wen? Immer wieder gibt es Kritik an Sicherheitsfirmen, die Flüchtlingsunterkünfte betreuen - hier eine andere als die im Text erwähnte.
Wer schützt hier wen? Immer wieder gibt es Kritik an Sicherheitsfirmen, die Flüchtlingsunterkünfte betreuen - hier eine andere als...Foto: Marijan Murat/dpa

In der Notunterkunft Merlitzstraße in Adlershof hat es am Donnerstagnachmittag erneut große Unruhe gegeben. Nachdem Heimleiter Axel Ilkov fristlos gekündigt worden war, solidarisierten sich viele der in der zur Flüchtlingsunterkunft umgebauten Turnhalle lebenden Geflüchteten mit ihm und protestierten vor der Turnhalle. Einige kündigten an, mit gepackten Koffern vor dem Lageso demonstrieren zu wollen. Dazu kam es aber nicht. Alle Geflüchteten gingen zurück in die Unterkunft.

Als Grund für die Kündigung nannte Ralf Kuhirt, Geschäftsführer des Betreibers Akzente-Sozial UG "Unternehmensinterna und arbeitsrechtliche Gründe".

Heimleiter Ilkov sagt, dass dies nur ein Vorwand sei. "Die haben immer dagegen geschossen, wenn man etwas Kreatives machen wollte." Ilkov leitete das Heim gemeinsam mit seiner Frau. Ihr wurde ebenfalls gekündigt. "Wir haben das wirklich mit Herzblut gemacht", sagt Ilkov.

Der gekündigte Heimleiter erhebt zudem schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitsfirma, die die Unterkunft bewacht. Es habe mehrfach körperliche Gewalt gegen Geflüchtete gegeben.

Kuhirt dementiert: „Das sind sehr gut geschulte Leute“, sagt er. Er gesteht aber ein: „Es gab einzelne Vorkommnisse.“

Die Flüchtlingsunterkunft liegt ein paar Gehminuten vom S-Bahnhof Adlershof entfernt. Ende Februar hatte es hier eine Rangelei zwischen rund 100 Personen gegeben. Anlass soll damals die Ankunft einer Gruppe von 20 Flüchtlingen gewesen sein, die dort unterkommen sollten. Das bestätigt auch der Sprecher der Berliner Sozialverwaltung, Sascha Langenbach. „Es gab Streit wegen der Neuankömmlinge und wegen unterschiedlicher Auffassungen über den Umgang mit einer 17-jährigen Schwangeren“, sagte er dem Tagesspiegel. Die junge Frau wurde laut Polizei gestoßen und musste wegen Schmerzen im Unterleib ambulant behandelt werden. Ein Security-Mann erlitt durch einen Faustschlag eine Gesichtsverletzung, die ebenfalls ambulant behandelt werden musste. Die Polizei nahm drei Heimbewohner im Alter von 20, 22 und 24 Jahren vorläufig fest. Sie waren nach erkennungsdienstlichen Behandlungen wieder entlassen worden.

In der Vergangenheit hat es immer wieder Kritik am Verhalten von Mitarbeitern von Wachdiensten gegeben, die an Heimen und vor Behörden eingesetzt sind.

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