Streit mit der Integrationsbeauftragten : Buschkowsky bleibt bei seiner Meinung

Neuköllns Bürgermeister Buschkowsky streitet mit der neuen Integrationsbeauftragten Monika Lüke über seine Zuwanderungsthesen. Lüke findet Buschkowskys Buch "Neukölln ist überall" zu negativ, die konkreten Projekte in dem Bezirk aber vorbildhaft.

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Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky ist in Sachen Integration ein Mann des klaren Wortes – und dafür auch in der SPD umstritten. Der Parteifreund, Berlins Regierender Klaus Wowereit, geht das Thema diplomatischer an.
Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky ist in Sachen Integration ein Mann des klaren Wortes – und dafür auch in der SPD...Foto: dpa/Kumm

„Neukölln ist überall“ verkauft sich wie geschnitten Brot. Von der Politikschelte, geschrieben von Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD), wurden bislang 150 000 Exemplare ausgeliefert. Das Buch stand wochenlang auf der Bestsellerliste des Spiegel. „Das sind sehr, sehr gute Zahlen“, sagt eine Sprecherin des Ullstein-Verlags. Auf der Seite des Onlinehändlers Amazon sind 135 Rezensionen von Lesern abrufbar, 106 verleihen dem Buch die Bestnote: fünf Sterne.

Die neue Integrationsbeauftragte des Senats, Monika Lüke, ist dennoch unzufrieden mit dem Werk. Im Interview mit dem „Focus“ erklärte sie, Buschkowsky stoße Einwanderer vor den Kopf und trage selbst zur Abschottung sogenannter Parallelgesellschaften bei. Seine populäre These, Multikulti sei gescheitert, sei schlicht falsch. In Berlin lebten knapp eine Million Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, von denen 80 Prozent die deutsche Staatsangehörigkeit hätten.

Heinz Dampf in allen Gassen
Sozialdemokrat in Amt und Würden: Heinz Buschkowsky, 1948 in Neukölln geboren, ist dort seit 2001 Bürgermeister und wohnt auch in Neukölln – in Rudow. Am 27. Januar 2015 hat er seinen Rücktritt angekündigt.Weitere Bilder anzeigen
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27.01.2015 16:21Sozialdemokrat in Amt und Würden: Heinz Buschkowsky, 1948 in Neukölln geboren, ist dort seit 2001 Bürgermeister und wohnt auch in...

Heinz Buschkowsky reagierte prompt. Er empfiehlt Lüke, „die zahlreichen zigfach preisgekrönten Neuköllner Integrationsprojekte zur Kenntnis zu nehmen“, und schreckt auch nicht vor beißendem Sarkasmus zurück. „Auch die Integration in eine neue berufliche Tätigkeit fällt immer dann erheblich leichter, wenn die Basics verstanden werden“. Dabei spielt Buschkowsky auf Lükes Zuwanderungszahlen an. Die sind laut Buschkowsky nämlich schlicht falsch.

Nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, die Buschkowsky zitiert, lebten am 30. Juni 2012 exakt 437 691 „Menschen mit Migrationshintergrund und deutscher Staatsangehörigkeit“ in Berlin, „ferner gab es 486 709 Ausländer in der Stadt“. Daraus ergebe sich ein Anteil von Migranten mit deutschem Pass von 47 Prozent und nicht 80 Prozent, wie Lüke behauptet hatte. In diesem Punkt hat Buschkowsky recht.

Aber der Bezirksbürgermeister legt noch eins drauf. Nicht alle Ausländer, die sich in Berlin aufhalten, hätten auch eine „Einwanderungsabsicht“. Studenten, Botschaftspersonal, Saisonarbeiter und andere würden eben nur temporär nach Berlin kommen. Auch diese Vermengung von Migranten und Zugereisten ohne feste Absichten sei eine „fachliche Unsauberkeit“.

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