Berlin : Streit um ambulante Operationen Krankenkassen drohen Ärzten

Ingo Bach

Die Senatsgesundheitsverwaltung hat sich in den Honorarstreit der Berliner Betriebs- und Ersatzkrankenkassen mit den ambulanten Chirurgen eingeschaltet. Man fordere die Kassenärztliche Vereinigung (KV) auf, die Chirurgen zum Beenden ihrer rechtswidrigen Aktion aufzufordern, teilte die Verwaltung am Dienstag mit. Wie berichtet, operieren niedergelassene Operateure Versicherte dieser Kassen nur nach einer vorherigen schriftlichen Kostenübernahme-Erklärung.

„Dies verstößt gegen vertragsärztliche Pflichten, die die Ärzte mit ihrer Zulassung zu erbringen haben“, heißt es vom Berliner Ersatzkassenverband, zu dem unter anderem die Barmer, die Techniker- und die Angestellten-Krankenkasse gehören. Auch die Betriebskrankenkassen schlossen sich der Auffassung an.

Mittlerweile registrieren die Krankenkassen immer mehr Fälle abgewiesener Patienten – so wie Herta D. Die Berlinerin hatte für Dienstag einen Termin mit ihrem Augenarzt vereinbart, um mit einer ambulanten Operation ihren Grauen Star behandeln zu lassen. Pech nur, dass Frau D. bei der Barmer Ersatzkasse versichert ist. „Der Arzt forderte plötzlich eine Kostenübernahme-Erklärung der Kasse“, sagte Herta D. dem Tagesspiegel. „Doch die wollte nicht unterschreiben, weil der Preis zu hoch war.“ Der Operationstermin platzte.

„Wir weigern uns doch nicht, diese Versicherten zu operieren“, sagt der Gynäkologe Ansgar Pett, Vorsitzender des Berliner Landesverbandes ambulantes Operieren. „Wir sagen nur, dass wir ohne die Kostenübernahme-Erklärung keinen zeitnahen Termin vergeben werden und nicht in der gewohnten Qualität arbeiten können.“ Pett rechnet an einem Beispiel vor, warum seine Kollegen so hart reagieren: die Bauchspiegelung zur Überprüfung der Eileiterfunktion bei einer Frau. Die Ärzte fordern dafür 391,68 Euro – „alles inklusive“ –, die Ersatzkassen würden dafür aber nur 245,28 Euro anbieten und in einem Krankenhaus koste so ein ambulanter Eingriff 1187,30 Euro. Am 20. April gibt es eine weitere Verhandlungsrunde.

Die Ersatzkassen, die in Berlin mehr als eine Million Versicherte haben, übernehmen jährlich rund 15 000 ambulante Operationen. Noch einmal so viele werden über die in Berlin vertretenen Betriebskrankenkassen abgerechnet.

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