Streit um Asylbewerberheim in Berlin : Anwohner fühlen sich von Flüchtlingen gestört

In Berlin geht der Streit um Flüchtlingswohnheime weiter. In Wittenau wehren sich Wohnungseigentümer jetzt juristisch gegen ein Asylbewerberheim. Und in Hellersdorf dauert es auch noch, bis das Heim bezogen werden kann.

von und Kristina Schmidt
Auf der Suche nach Zuflucht. In Wittenau wehren sich Anwohner gegen ein Asylbewerberheim. Sie fühlen sich gestört.
Auf der Suche nach Zuflucht. In Wittenau wehren sich Anwohner gegen ein Asylbewerberheim. Sie fühlen sich gestört.Foto: dpa

Der Streit um zwei Standorte von Flüchtlingsheimen kommt nicht zur Ruhe. Nachdem in den vergangenen Tagen die Situation in Hellersdorf eskalierte und eine Grünen-Politikerin Drohungen von Gegnern der geplanten Einrichtung erhielt, gehen jetzt Anwohner einer Wohnungseigentümergemeinschaft juristisch gegen ein Asylbewerberheim in Wittenau vor. Sie haben über ihren Anwalt Jens-Georg Morgenstern beim Bezirksamt Widerspruch gegen die Nutzungsgenehmigung eingereicht. Seit dem Frühjahr betreibt der Awo-Kreisverband Mitte das Marie-Schlei-Haus, ein ehemaliges Seniorenheim, am Eichborndamm.

Seine Mandanten fühlten „sich in ihrem Eigentum gestört“, sagt Morgenstern. Aufgrund ihrer Erfahrungen von vor zehn Jahren wollten sie nicht „die Folgen von einem Asylantenheim in unmittelbarer Nachbarschaft“ spüren. Laut Morgenstern gehört dazu, dass die Grundstückspreise rapide gesunken sind, seit die Flüchtlinge dort leben. Außerdem fühlen sich die Anwohner durch die laute Geräuschkulisse beeinträchtigt. Immer wieder spielten Kinder aus der Asylbewerberunterkunft auf dem Spielplatz, der zu der Wohnanlage seiner Mandanten gehört, sagt der Anwalt. Unter anderem fürchten sie, dass sich dann nicht nur Kinder, sondern auch Jugendliche und Erwachsene dort aufhalten würden. Durch die enge Belegung in dem Heim steige zudem die Gefahr von Seuchen. Sollte ein Widerspruch nicht erfolgreich sein, sei eine Klage gegen das Heim wahrscheinlich.

Die Geschäftsführerin des Awo-Kreisverbandes Mitte, Snežana Prvulovic-Hummel, kann die massive Gegenwehr nicht nachvollziehen. „Wir haben immer wieder das Gespräch gesucht“, sagt sie. Es habe wöchentliche Anwohnersprechstunden gegeben, und es sei laufend informiert worden. Dass es bislang noch keinen Spielplatz auf dem Gelände gebe, liege an der Quarantäneanordnung im vergangenen Monat. Damals waren Windpocken in dem Heim aufgetreten. Demnächst soll der Spielplatz angelegt werden.

Laut einem Sprecher des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) gibt es keine Fälle, in denen Asylbewerberunterkünfte gesundheitliche Risiken für Anwohner mit sich brachten. Prvulovic-Hummel weist darauf hin, dass Flüchtlinge medizinisch betreut werden.

Bei dem geplanten Asylbewerberheim in Hellersdorf gibt es indes Verzögerungen bei der Belegung. Ursprünglich sollten die ersten Asylbewerber – hauptsächlich Flüchtlinge aus Syrien – schon bald dort einziehen können. Jetzt muss nach Angaben des Lageso noch ein statisches Gutachten über die Umbaumaßnahmen beigebracht werden. In der einstigen Schule wurden unter anderem Trennwände in Leichtbauweise aufgestellt. Sozialstadträtin Dagmar Pohle (Linke) sagt, dass der Betreiber dieses Gutachten dem Bauamt vorlegen müsse. „Der Bezirk hat ein hohes Interesse daran, das Heim zügig zu belegen. Aber es gibt noch keinen Termin“, sagt Pohle.

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