Berlin : Streit um Bauvorhaben auf dem Gelände der Kulturbanausen e.V.

oom

Wie mit Lineal und Zirkel gezogen liegt der Uferwanderweg an der Lohmühlenstraße. Kirschbäume säumen die Promenade entlang dem Landwehrkanal - bis zum Gelände der Wagenburg Lohmühle. Weil die Uferböschung dort besonders dicht gewachsen ist, muss der Spaziergänger auf den freien Blick aufs Wasser verzichten und über den Platz gehen, auf dem die Wagenburgler ihre Bleibe eingerichtet haben. Das sind meist ausgebaute Bauwagen mit kleinen Gärtchen davor und Solarkollektoren auf dem Dach. Fast ein Laubenpieper-Idyll, wäre da nicht noch das Open-Air-Kino: Seit 1991 verfolgen die Wagenburgler, inzwischen 25 an der Zahl, soziale, kulturelle und ökologische Projekte. Zwei Wagen werden Obdachlosen zur Verfügung gestellt, die so den Sprung in eine Wohnung schaffen sollen. Die Bewohner der Wagenburg leben in einer "sozialen Großfamilie", die durch ein Plenum organisiert wird.

Die "Burg" diente dieses Jahr wieder als Baufläche für die Wagen des Karneval der Kulturen. Doch jetzt soll die Bauwagenromantik gestört und der Uferwanderweg verlängert werden, der nach Fertigstellung schnurstracks durch die bepflanzte Grünfläche inmitten der Siedlung führen soll. Das Uferwanderweg-Vorhaben des Bezirksamtes Treptow ist den "Kulturbanausen e.V." bereits seit Mai bekannt. "Wir haben in Zusammenarbeit mit der Combo-Bau einen Uferwandersteg aus Holz mit Ruheräumen, Skulpturen und Begrünung vorgeschlagen", erzählt Jürgen Hans, Vorsitzender des Vereins und einer der ersten Bewohner der Wagenburg. "Aber der Etat von knapp einer Millionen Mark wurde einem anderen freien Träger in Niederschöneweide eingeräumt, obwohl die Jugendhilfe Treptow e.V. davon nichts wusste." Die Verlängerung des Uferwanderwegs wollte Hans auch mit einer Aktion unter den Anwohnern und Nachbarn verhindern, die nach seinen Angaben 5000 Unterschriften für die Erhaltung der Wagenburg sammelten. Davon will Dieter Schmitz, Stadtrat für Bauen, Wohnen und Umwelt in Treptow, jedoch nichts wissen: "Die Wagenburg hat absolut keine Legitimation." Das Grundstück gehöre zu zwei Dritteln dem Bezirk und zu einem Drittel der Deutschen Bahn AG. Laut Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung werde die Siedlung sowieso geräumt. "Wenn wir tatsächlich 720 000 Mark für die Skulpturenbrücke ausgegeben hätten, wäre das ein gefundenes Fressen für den Bund der Steuerzahler gewesen", erklärt Schmitz. Die Wagenburg verstoße gegen sein persönliches Gerechtigkeitsgefühl, weil deren Bewohner "keinen Pfennig für ihre Behausung bezahlen - schlimmer noch, sie leben auf Kosten der Anwohner". Mit den Bauarbeiten werde am 15. August begonnen.

Bewohner Hans sieht dem Termin mit Schrecken entgegen: "Wir gewähren dem Uferweg freiwillig 15 Meter Baufreiheit - dafür müssen wir unsere Bühne abbauen und unsere Grünanlage fällt dem Asphalt zum Opfer." Vor allem stabil müsse der Weg sein, betont Baustadtrat Schmitz und räumt ein, dass etwas "Gehölz weggenommen werden muss".

0 Kommentare

Neuester Kommentar