Streit um Bootslinie : Fährmann von Rahnsdorf gibt noch nicht auf

"Ich hoffe auf den Karfreitag und den Senat", sagt Ronald Kebelmann, der Fährmann von Rahnsdorf. Er hat vorerst zum letzten Mal Gäste befördert - und weiß noch nicht, ob es im Frühjahr weitergeht.

Am Tag der Deutschen Einheit brachte Fährmann Ronald Kebelmann (hier ein Archivbild aus dem Sommer) zum vorerst letzten Mal Passagiere von der BVG-Haltestelle Kruggasse nach Müggelheim.
Am Tag der Deutschen Einheit brachte Fährmann Ronald Kebelmann (hier ein Archivbild aus dem Sommer) zum vorerst letzten Mal...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Herr Kebelmann, am Donnerstag haben Sie noch Fahrgäste von Rahnsdorf nach Müggelheim gerudert. War es tatsächlich das letzte Mal?

Das hoffe ich nicht, aber es könnte sein, denn meines Wissens ist noch keine Entscheidung gefallen. Aber es wäre sehr traurig, wenn die Ruderbootverbindung nun tatsächlich für immer und nicht nur für das Winterhalbjahr eingestellt würde.

Warum wäre es traurig?
Ach Mensch, die Ruderfähre gehört nach Rahnsdorf wie der Hauptmann nach Köpenick. Die gibt es seit 102 Jahren, damit sind schon meine Eltern, Großeltern und Urgroßeltern gefahren. Wär’ doch schön, wenn auch meine Kinder, Enkel und Urenkel noch damit fahren könnten.

Schön wär’s, aber manche bezweifeln, dass sich der Aufwand lohnt?
Natürlich tut er das. Ich kann acht Leute mit ins Boot nehmen, an schlechten Tagen setze ich mehr als 20-mal, an guten sogar mehr als 200-mal über.

In welcher Zeit?
Jeden Tag von 11 bis 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, da hab’ ich frei.

Die Fahrt mit Ihnen dauert ein paar Minuten, die Müggelspree ist an dieser Stelle nur 36 Meter breit. Wie weit müssten Ihre Fahrgäste ohne die Verbindung laufen?
Locker um die acht, neun Kilometer.

Haben Sie sich schon arbeitslos gemeldet?
Ja, aber das mache ich jedes Jahr im Herbst. Bislang ging es im Frühling weiter. Ich hoffe – wie viele hier – also auf den Karfreitag 2014. Und auf den Senat.

Am Tag der Deutschen Einheit brachte Fährmann Ronald Kebelmann zum vorerst letzten Mal Passagiere von der BVG-Haltestelle Kruggasse nach Müggelheim. Noch ist nicht klar, ob der Betrieb der letzten Ruderfähre Berlins nur, wie jedes Jahr, über den Winter oder für immer eingestellt wird. Horst Meier, Chef der „Stern und Kreisschiffahrt“, die bisher für die Fähre zuständig war, sagt: „Die Müggelheimer Fähren werden ab der nächsten Saison von der Weißen Flotte Stralsund betrieben. Geplant war, die Ruderfähre einzustellen und eine der anderen Fähren an ihrer Stelle anlegen zu lassen. Doch das hat das Wasser- und Schifffahrtsamt untersagt. Wir haben der BVG angeboten, die Ruderfähre weiterzubetreiben, aber keine Antwort erhalten.“ Bei der BVG heißt es wiederum, die Entscheidung liege beim Senat für Bauen, Stadtentwicklung und Verkehr. Deren Sprecherin aber sagt: „Wenn die BVG die Finanzierung übernimmt, kann sie die Fähre gern weiterbetreiben. Wir sind nicht sicher, ob diese kleine Verbindung wirklich notwendig ist – eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen.“

Das Interview führte Sandra Dassler.

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