Streit um den Ladenschluss in Berlins "Spätis" : Keine Unterstützung für Sonntagsöffnung

10.09.2012 19:09 Uhrvon
Ruhetag im „Späti“. Das Oberverwaltungsgericht hat die Sonntagsöffnung der kleinen Läden für unzulässig erklärt. Dabei wird es wohl bleiben. Foto: dapd
Ruhetag im „Späti“. Das Oberverwaltungsgericht hat die Sonntagsöffnung der kleinen Läden für unzulässig erklärt. Dabei wird es wohl bleiben. - Foto: dapd

Politiker mehrerer Parteien wollen den etwa 1000 Berliner Spätverkaufsläden erlauben, auch an Sonn- und Feiertagen zu öffnen. Doch für eine Gesetzesänderung gibt es keine Mehrheit: Die SPD sieht zu viele rechtliche Hürden.

Berlins SPD-Fraktion hat die Idee verworfen, die gerichtlich verbotene Sonntagsöffnung kleiner Spätverkaufsläden zu legalisieren. Eine Anhörung mit Vertretern der „Interessengemeinschaft der Kiez-Kioske“, der Kirchen, der Gewerkschaft Verdi und des Handelsverbands habe gezeigt, dass man das Ladenöffnungsgesetz „nicht rechtssicher“ anpassen könne, sagten die SPD-Abgeordneten Liane Ollech und Joschka Langenbrinck dem Tagesspiegel.

„Es wird keine Initiative zur Gesetzesänderung geben“, stellte Ollech klar. Sie ist Vorsitzende des Arbeitskreises Wirtschaft in der SPD-Fraktion, der die Interessenvertreter zur Anhörung eingeladen hatte.

Bis dahin hatte sich die Politikerin für die Interessen der Spätverkaufshändler eingesetzt, jetzt sieht sie ihre Hände wegen der juristischen Probleme gebunden.

Umfrage

Eine Gesetzesänderung soll "Spätis" den Verkauf an Sonn- und Feiertagen weiterhin ermöglichen. Wie stehen Sie dazu?

Die Kirchen hatten nicht mit Klagen gedroht. Doch der Handelverband Berlin-Brandenburg warnte, bei einer „Ungleichbehandlung“ und „Marktverzerrung“ sei mit Klagen konkurrierender Händler zu rechnen. „Mitbewerber haben das schon signalisiert“, sagte Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen am Montag dem Tagesspiegel. Er sieht „keine Möglichkeit für eine rechtssichere Lösung“. Beispielsweise hätten auch inhabergeführte Läden meistens Angestellte, die sonntags nicht arbeiten dürften.

Laut Busch-Petersen gab es schon Anfang der 90er Jahre eine Berliner Bundesratsinitiative für inhabergeführte Läden, die alle entscheidenden Probleme aufwarf und in der Länderkammer scheiterte.

Die Ursache der jetzigen Probleme ist die erfolglose Klage eines Späti-Betreibers, der sich gegen das Verkaufsverbot am 1. Mai rund um den Mauerpark gewandt hatte. Daraufhin erklärte das Oberverwaltungsgericht den Verkauf an Sonn- und Feiertagen ausschließlich in Läden für zulässig, die auch werktags nur ein eingeschränktes Sortiment haben - zum Beispiel Blumenläden, Bäcker oder Souvenirgeschäfte.

Der Wirtschaftsexperte der CDU-Fraktion, Heiko Melzer, bedauerte die Entscheidung. Sie sei aber in der Koalition abgestimmt worden, die CDU werde daher auf eigene Initiativen verzichten. Aus seiner Fraktion habe es mehrere Lösungsvorschläge gegeben, etwa die strikte Beschränkung des Sonntagsverkaufs auf inhabergeführte Läden oder eine Begrenzung der Ladengröße.

Auch die zurückgetretene Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos) hatte Gesetzesänderungen angeregt. Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) sprach sich jedoch dagegen aus.

Aus Sicht vieler Späti-Betreiber ist der Sonn- und Feiertagsverkauf unverzichtbar für die Existenz ihrer Läden: Werktags, wenn auch Supermärkte lange öffnen, bleibe ihr Umsatz zu gering, argumentiert die Interessengemeinschaft.

Umfrage

Sommerzeit ist Badezeit. Gehen Sie gerne in Berliner Seen schwimmen?

Service

Zehlendorf Blog

Wir möchten mit Ihnen ein Experiment wagen: Unsere Zehlendorf-Seite ist online - das digitale Magazin aus dem Berliner Südwesten. Ein journalistisches Produkt zum Mitgestalten. Jeden Tag kümmern wir uns, gemeinsam mit Jugendlichen und Leser-Reportern, um die spannendsten Geschichten aus dem Stadtteil, um lokale Politik und das Lebensgefühl der Menschen.
Der Zehlendorf Blog - das neue hyperlokale Online-Magazin

Entdecken Sie Berlin


Wo sind die besten Cafés der Stadt zu finden? Wo die besten Spielplätze? Oder wie finde ich die interessantesten Museen und Theater?
Mit der neuen Best-of-Berlin-App können Sie spielend Berlin entdecken.

Der Stadtleben-Blog

In Berlin kommt man nicht zur Ruhe. Zum Glück. Hier bloggen vier Tagesspiegel-Autoren über Kultur, Szene und Nachtleben der Stadt.
Berichte aus einer lauten Stadt

Nachrichten aus den Bezirken

Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
Diskutieren Sie mit!

Weitere Themen

Willkommen im Tagesspiegel

In unserem Verlagsgebäude finden Lesungen und Salons, Konzerte, Vorträge und Seminare für Leserinnen und Leser statt, zu denen wir Sie herzlich einladen.
Das Stadtmagazin des Tagesspiegels.

Tagesspiegel-Spendenaktion

Erleben sie mit tagesspiegel.de die ganz besonderen Veranstaltungen in Berlin und Umgebung. Hier können Sie sich Ihre Tickets zum Aktionspreis sichern.

Weitere Tickets...