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Streit um Denkmäler : „Mit Geißler ist das Temperament durchgegangen“

02.02.2012 09:48 Uhrvon , und
Heiner Geißler wagt wieder Streit mit seiner Partei.Bild vergrößern
Heiner Geißler wagt wieder Streit mit seiner Partei. - Foto: dpa

Im Tagesspiegel sagte Heiner Geißler: "Die Siegessäule ist das dümmste Monument der Republik". Nun gibt es Widerspruch. Was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser? Diskutieren Sie mit!

BerlinHeiner Geißler hat es wieder einmal geschafft, zu polarisieren – vor allem in seiner eigenen Partei. In der gestrigen Ausgabe des Tagesspiegels nannte der 81-Jährige die Siegessäule das „dümmste Monument der Republik“, ein Symbol für Militarismus und Nationalismus. Auch am Wiederaufbau des Hohenzollernschlosses als Humboldt-Forum ließ der frühere CDU-Generalsekretär kein gutes Haar: 590 Millionen Euro dafür seien nicht angemessen, wenn gleichzeitig Opern und Museen die Budgets gekürzt werden.

Unter Berliner Christdemokraten teilen diesmal nicht viele seine Position. „Mit Heiner Geißler ist mal wieder das Temperament durchgegangen“, sagt der ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen. Geißler argumentiere zur Siegessäule und dem Wiederaufbau von Teilen des Berliner Schlosses „intellektuell unausgegoren“. Zur Siegessäule erklärte der frühere Regierungschef: „Es gehört zur deutschen Geschichte, dass der ‚späte’ Nationalstaat immer gegen den Widerstand der Nachbarn durchgesetzt werden musste. Geschichte kann man nicht nach den Träumen von heute, sondern nur in ihrer Zeit begreifen. Und zur deutschen Geschichte gehört mehr als das vergangene Jahrhundert.“

Im hohen Alter werde man offenbar zuweilen radikal bis ins Irrationale, mutmaßt Berlins ältester Abgeordneter Uwe Lehmann-Brauns, der für die CDU im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses sitzt. „Die Lebendigkeit dieser Stadt kommt daher, dass es hier Zeugnisse aus allen Zeiten gibt, die uns bewegt haben“, sagt der 73-Jährige. „In Berlin gibt es auch Panzer und Geschütze, die Zeugnisse einer deutschen Niederlage sind.“ Auch das geplante Stadtschloss sei nicht „der Wiederaufbau eines mittelmäßigen Hohenzollernschlosses“ (so hat Geißler das Projekt genannt), sondern die Chance auf einen Lückenschluss in der Mitte der Stadt.

Zustimmung bekommt Geißler von Christdemokraten hingegen für eine andere Forderung. Er hatte das Fehlen einer Ehrung für den von nationalistischen Offizieren 1921 ermordeten Finanzminister Matthias Erzberger beklagt. „Ich empfinde es als lächerlich, dass Erzberger bisher nicht mit einem Straßennamen geehrt wurde, weil erst noch berühmte Frauen berücksichtigt werden mussten“, sagte Diepgen. Auch Horst Gedack, der Landesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), unterstützt den Vorschlag. Matthias Erzberger war einer der Köpfe der christlichen Arbeiterbewegung.

Auch wenn Geißler zu Polemik neige, erklären Berliner CDU-Männer und -Frauen, sollten die für Straßennamen zuständigen Bezirkspolitiker seine Anregung ernst nehmen. Matthias Erzberger brauche gerade in Berlin einen Platz oder eine Straße. Auch CDU-Kulturexperte Lehmann-Brauns findet den Vorschlag sinnvoll. Bislang, sagt er, habe man Erzberger aber nicht absichtlich ignoriert. „Er wurde schlicht vergessen.“

In den anderen Parteien trifft Geißlers Generalkritik auf viel Zustimmung. Brigitte Lange, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, würde vor neuen Ehrungen auch die bereits vergebenen Würden kritisch prüfen. So habe sie sich schon vor Jahren darum bemüht, Hindenburg die Ehrenbürgerwürde abzuerkennen. „Aber dafür gab es auch in der SPD keine Mehrheit.“

Wolfgang Brauer, Kulturpolitiker der Linken, gibt Geißler „völlig Recht“. Während Berlin zurzeit „sein preußisch-deutsches Erbe aufpoliert“, seien selbst Vorbilder wie Walther Rathenau „fast ins Vergessen gedrängt worden“: Die Villa des 1922 ermordeten Reichsaußenministers stehe weitgehend unbemerkt in Oberschöneweide – nicht weit von der ebenso wenig bekannten Rathenaustraße.

Auch die Grünen-Kulturpolitikerin Sabine Bangert gibt Geißler grundsätzlich Recht. Sie sieht den Beitrag des Alt-CDUlers als Mahnung, bei künftigen Würdigungen sorgsam darauf zu achten, wessen gedacht werden solle und wessen lieber nicht.

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