Berlin : Streit um die Fernsehinsel

Spandau will Wohnungsbau am neuen Medienzentrum Eiswerder verhindern

Rainer W. During

Messe- und Eventhallen, neue Studios, Hotel, Gastronomie und ein zum Kongresszentrum umgebauter Speicher. So könnte die Zukunft von Eiswerder nach Vorstellungen der Planer aussehen. Eine „äußerst spannende und interessante Vision“, meint Baustadtrat Carsten Röding (CDU). Die Spandauer Insel soll als Medienzentrum ausgebaut werden. Deshalb will das Bezirksamt eine vom Entwicklungsträger, der Wasserstadt GmbH, und von Grundstückseigentümern geplante, zusätzliche Wohnbebauung verhindern.

Bisher sei versucht worden, am Bezirk vorbei zu planen, sagte Röding am Mittwochabend bei der Präsentation des Konzepts. Angesichts der bevorstehenden Auflösung der Entwicklungsgebiete will Spandau jetzt Nutzungskonflikte, die durch Anwohner entstehen könnten, ausschließen. Zudem soll verhindert werden, dass die Grundstückspreise in die Höhe schnellen und ein Verdrängungswettbewerb entsteht, so der Bezirkspolitiker. Und der Durchgangsverkehr über die beiden Brücken soll gestoppt werden, um die Wohnquartiere in Hakenfelde und Haselhorst zu entlasten.

Die Insel gehört jeweils in Teilen dem Land, dem Bund und der ERKA-Verwaltungsgesellschaft, einer Tochter des Stromkonzerns E.ON. In den denkmalgeschützten Hallen des früheren preußischen Feuerwerkslaboratoriums residiert bereits das Eventisland-Fernsehstudio, in dem unter anderen Sat 1 und RTL produzieren. „Wir würden gerne expandieren“, so Inhaber Dieter Püschel. Doch bei Abend-Veranstaltungen mit bis zu 1000 Teilnehmern befürchtet er Konflikte, falls in der Nachbarschaft Wohnungen entstehen. „Wir wollen Investoren Planungssicherheit geben“, so Markus Schulte vom Stadtplanungsamt. Eiswerder soll ein „Medien-, Event- und Tagungsstandort“ werden.

Wasserstadt-Geschäftsführer Uli Hellweg sieht in einer Wohnbebauung kein Konfliktpotenzial, will sich darüber aber „nicht streiten“. Spandau gehe es offenbar weniger um nachhaltige Entwicklung als um die Sicherung eines einzelnen Unternehmens, sagte ERKA-Geschäftsführer Ludger Harbert. Einig war man sich darüber, dass der Medienstandort nicht in Frage steht. „Das Bauplanungsrecht liegt beim Bezirk“, betonte Wolf Schilgen, Abteilungsleiter in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Um auf Eiswerder noch etwas im Rahmen des Entwicklungsgebietes zu bewegen, sei es nötig, dass alle Beteiligten in den nächsten Monaten eine gemeinsame Basis finden.

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