Streit um dunkle Fassade in Pankow : Finsterer Glanz

Bernd Matthies sieht schwarz an so mancher Berliner Fassade und findet: Architekten haben auch eine Verantwortung für die Nachbarn ihrer Gebäude.

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Pankow sieht schwarz. Die Seitenbereiche des Neubaus sollen noch einen rötlich-goldenen Schimmer bekommen, aber die Brücke dazwischen bleibt nach dem Willen des Bauherrn schwarz.
Pankow sieht schwarz. Die Seitenbereiche des Neubaus sollen noch einen rötlich-goldenen Schimmer bekommen, aber die Brücke...Foto: Mike Wolff, TSP

Die Farbe des Jahrzehnts ist zweifellos Schwarz, Ausführung Klavierlack. Vom Handy bis zum Armaturenbrett hat alles finster zu glänzen, vermutlich, weil die Vorstellung so kostbar wirkt, da habe ein Meisterhandwerker alles zehn Mal überlackiert. Was nur, außer beim Klavier, keiner tut.

Irgendwie ist die Mode auch in die Architektur übergesprungen. Dort sind es allerdings glänzende Glas- oder polierte Steinfassaden, die ihrem Schöpfer als Denkmal und dem Bauherren als Zeichen seiner Wichtigkeit dienen sollen. Denn ein schwarzes Haus lässt die Umgebung schroff an sich abprallen und verleiht jenen, die es nach drinnen geschafft haben, eine Aura hochtechnisierter Unsichtbarkeit, auch wenn sie nur in einem Steuerbüro sitzen oder zur Putzkolonne gehören.

Die anderen, die draußen bleiben, finden so etwas aber doch oft klotzig und abweisend. Dieser Tage gibt es in Pankow Streit um ein solches Gebäude am Garbátyplatz, das den ortsüblichen Rahmen offenbar zu sprengen droht. Das dürfte kaum noch zu ändern sein. Aber unsere Architekten sollten bisweilen daran denken, dass schwarze Kästen, mit oder ohne glänzendes Glas, ziemlich unangenehme Nachbarn sein können.

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