Streit um Flughafen geht weiter : Schönefeld: Nun wird auch um Landungen gestritten

Künftig sollen Maschinen, die den Flughafen Berlin-Brandenburg in Schönefeld anfliegen, die betroffene Region bis zur Landung höher überfliegen. Ob dies zur Lärmentlastung beiträgt, ist unklar.

Hagen Ludwig
Zu nah am Boden? Derzeit wird über die optimale Flughöhe beim Landeanflug gestritten. Doch ob der Lärm - wie hier beim Start - überhaupt verringert werden kann, ist unklar.Alle Bilder anzeigen
Foto: Hendrik Schmidt dpa/lsn
24.03.2012 18:46Zu nah am Boden? Derzeit wird über die optimale Flughöhe beim Landeanflug gestritten. Doch ob der Lärm - wie hier beim Start -...

Schönefeld - Die Diskussion um die Routen für den künftigen Flughafen Berlin-Brandenburg ist durch eine Ankündigung des Bundesverkehrsministeriums erneut angeheizt worden. Diesmal geht es um die Landung. Maschinen im Anflug sollen demnach Teile Brandenburgs nun doch nicht so tief überqueren wie bislang geplant. 50 Kilometer von Schönefeld entfernt sollen sie jetzt bis zu 1800 Meter statt bis zu 1200 Meter tief fliegen. Ziel sei es, diese Regionen zu entlasten. Das betroffene Gebiet erstreckt sich über weite Teile des Flämings von Fichtenwalde bis Bad Belzig sowie im Osten über die Regionen um Seelow und Neuhardenberg.

Es stehen also 600 Höhenmeter weniger Luftraum für Anflugrouten in diesem Bereich zur Verfügung. Kritik kommt deswegen von der Deutschen Flugsicherung (DFS). Deren Sprecher Axel Raab sagte dem Tagesspiegel, nach ersten Simulationen seien mit der neuen vom Bund vorgegebenen Regelung zumindest in Spitzenzeiten Kapazitätsprobleme im Luftraum über dem Fläming zu befürchten wären. Um Warteschleifen und Verspätungen zu verhindern, müssten die Maschinen bereits früher zum Landeanflug abdrehen. Betroffen wären davon auch Potsdam, Berlin und die Region Teltow. Dort müsse dann mit mehr Flugverkehr gerechnet werden. In der kommenden Woche will die DFS dem Ministerium eine genaue Analyse liefern.

So wird der neue Flughafen Berlin-Brandenburg aussehen
Ein Terminal aus Licht - die Abfertigungshalle am neuen Flughafen BER.Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: Alexander Obst/Marion Schmieding/Berliner Flughäfen
25.11.2011 12:09Ein Terminal aus Licht - die Abfertigungshalle am neuen Flughafen BER.

Das Bundesverkehrsministerium widerspricht den Warnungen der DFS. Mit der Neuregelung der Flughöhen über dem Fläming sei keine zusätzliche Belastung von Berlin, Potsdam und Teltow zu erwarten, sagte ein Sprecher am Donnerstag. „Aus derzeitiger Sicht können die Verkehrsmengen  auch mit dem neuen Konzept bewältigt werden.“ Sollten in der Praxis dennoch Probleme auftreten, könnte man jederzeit darauf angemessen reagieren. Mit der Festlegung einer größeren Flughöhe habe man auf Kritik aus den betroffenen Regionen, speziell aus Märkisch-Oderland und Potsdam-Mittelmark reagiert, hieß es aus dem Ministerium.

Aus der Region Teltow kam prompt Kritik. „Auch wir sind für die höheren Anflüge über den Fläming, aber die Lösung der Probleme darf nicht darin bestehen, unsere Region noch stärker zu belasten“, sagte der Sprecher der Kleinmachnower Bürgerinitiative, Matthias Schubert. Tatsache ist, dass die anfliegenden Maschinen bei Großbeeren eine Höhe von 1000 Meter erreicht haben müssen. Das würde laut Schubert bedeuten, dass sie die Region Teltow bereits in einer Höhe zwischen 1200 und 1500 Meter überqueren müssten.

Grundsätzlich zeige die Diskussion um die Flugrouten erneut, dass die verschiedenen Regionen gegeneinander ausgespielt werden sollen, sagt Schubert. Deshalb sei es wichtig, den Fokus des Widerstandes auf den Kampf um ein umfassendes Nachtflugverbot und gegen eine weitere Kapazitätsausweitung des Flughafens zu legen. „Wenn er tatsächlich zu einem internationalen Drehkreuz wird, wären ohnehin alle Regionen stark betroffen“, sagte Schubert.

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