Streit um Frauentorso : Akte Luxemburg wird geschlossen – vorerst

Der Expertenstreit um eine unbekannte Wasserleiche aus der Rechtsmedizin der Charité kommt als Dokumentation ins Fernsehen. Die Frage, ob es sich dabei um die Überreste von Rosa Luxemburg handeln könnte, ist noch immer nicht geklärt.

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Foto: promo

Die Hand medienwirksam zur Faust ballen will Klaus Gietinger nicht. Der Fotograf einer Boulevard-Zeitung, der darum gebeten hatte, muss auf das gewünschte Motiv verzichten. Gietinger begrüßt seinen Kontrahenten Michael Tsokos lieber mit einem Händedruck. Kurz. Emotionslos. Zum Showdown zwischen beiden kommt es nicht. Stattdessen werden versöhnliche Töne angestimmt.

Der RBB hat am Montag zur Vorführung der Dokumentation „Leichensache Luxemburg“ ins Fernsehzentrum an der Masurenallee geladen – am morgigen Mittwoch um 23.30 Uhr wird der Film in der ARD gezeigt. Aus diesem Anlass treffen Klaus Gietinger und Michael Tsokos, die beiden Protagonisten, erstmals seit Monaten aufeinander. Tsokos, Chef der Berliner Rechtsmedizin, hatte behauptet, bei der unbekannten Wasserleiche aus dem Keller seines Instituts könnte es sich um Rosa Luxemburg handeln. Drehbuchautor und Regisseur Klaus Gietinger, der selbst lange zu Luxemburg geforscht hatte, warf Tsokos daraufhin Wichtigtuerei vor. Nur um kurz darauf selbst ein Buch zum Thema vorzulegen. Seither war in der Presse vom „Wissenschaftlerstreit“ die Rede, manchmal sogar vom „Leichenstreit“.

Am Montagmittag geben sich beide besonnen. Sie sitzen friedlich nebeneinander und beantworten die Fragen von RBB-Moderator Knut Elstermann. Von seinem Standpunkt will keiner abweichen – aber so emotional und hitzig wie in den vergangenen Monaten wird die Diskussion nicht mehr geführt. „Wir kommen aus unterschiedlichen Lagern und müssen uns nicht mit Fachwissen messen, das nicht vergleichbar ist“, sagt Tsokos. Angesprochen auf die Rechercheergebnisse des Rechtsmediziners, sagt Gietinger: „Natürlich ist der ganze Vorgang faszinierend.“ Tsokos war bis nach Warschau gereist, um nach Beweisen zu suchen; er hatte Experten in Kiel und München bemüht. Einen eindeutigen Beleg, eine DNA-Spur Luxemburgs, die alle Fragen zu der unbekannten Frauenleiche ein für alle Mal beantworten könnte, fand er bislang jedoch nicht.

Der Fall Luxemburg ist für beide vorerst erledigt. Für Gietinger sowieso. Und für Tsokos so lange, bis neue wissenschaftliche Untersuchungsmethoden womöglich mehr Aufschluss liefern. In Kiel werde derzeit ein neues Verfahren entwickelt, mit dem man die Augenfarbe einer Person anhand von DNA bestimmen kann, erzählt Tsokos. Das würde vielleicht weiterhelfen bei der Identifizierung der Wasserleiche. Genügend Proben hatte er vorsorglich gesichert, bevor der Torso im Januar auf dem Neuen St.-Michael-Friedhof in Tempelhof beigesetzt wurde. hey

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