Streit um historischen Notizzettel : Irina Schabowski: "Eine gestohlene Sache"

Günter Schabowskis Ehefrau Irina ist empört: Dass der Notizzettel ihres Ehemannes, der eine entscheidende Rolle beim Mauerfall spielte, nun für 25.000 Euro "kaltblütig" verkauft wurde, sei eine "Krimigeschichte".

Der Zettel, der die deutsche Geschichte veränderte: Günter Schabowskis Notizen sind seit Donnerstag im Haus der Geschichte in Bonn zu sehen.
Der Zettel, der die deutsche Geschichte veränderte: Günter Schabowskis Notizen sind seit Donnerstag im Haus der Geschichte in Bonn...Foto: Oliver Berg/dpa

Seit Donnerstag ist der historische Notizzettel Günter Schabowskis im Bonner Haus der Geschichte ausgestellt, einen Tag später empört sich die Ehefrau des früheren SED-Politbüro-Mitglieds: „Das ist der kaltblütige Verkauf einer gestohlenen Sache“, sagte Irina Schabowski der Deutschen Presse-Agentur. Die Stiftung Haus der Geschichte hat erklärt, das Blatt für 25.000 Euro von Bekannten Schabowskis gekauft zu haben.

Allerdings sagt nun Irina Schabowski, das mit dem Zettel sei "eine Krimigeschichte" - die Schabowskis hätten demzufolge Anfang der 1990er Jahre ein paar Dokumente, darunter den Zettel, auf Drängen an Bekannte gegeben, die sich das näher ansehen wollten. Sie hätten trotz wiederholter Bitten aber nichts zurückbekommen. „Wir haben nichts verschenkt.“

Das Dokument der Zeitgeschichte enthält Günter Schabowskis Notizen zu der Pressekonferenz in Ost-Berlin am 9. November 1989, mit der er ungewollt den Mauerfall auslöste.

Ein Zettel, der die Welt veränderte
Ein Mitarbeiter platziert am 15.04.2015 in Bonn (Nordrhein-Westfalen) im Haus der Geschichte den Schabowski-Zettel. Das Papier ist ab dem 16. April 2015 im Original im Haus der Geschichte in Bonn zu sehen.Alle Bilder anzeigen
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16.04.2015 12:34Ein Mitarbeiter platziert am 15.04.2015 in Bonn (Nordrhein-Westfalen) im Haus der Geschichte den Schabowski-Zettel. Das Papier ist...

Schabowski hatte eine neue DDR-Reiseverordnung vorgestellt, nach der künftig Reisen in den Westen erlaubt werden sollten. Auf Nachfrage stammelte Schabowski vor laufenden Kameras: „Das tritt nach meiner Kenntnis... ist das sofort... unverzüglich“. Die Nachricht machte rasend schnell die Runde, noch in der Nacht strömten die Massen über die innerdeutsche Grenze. mit dpa

Der Mauerfall aus Sicht unseres Foto-Chefs Kai-Uwe Heinrich
309054_0_cf8380c3.jpgWeitere Bilder anzeigen
1 von 65Alle Fotos: Kai-Uwe Heinrich
09.11.2016 14:21Unser Tagesspiegel-Foto-Chef, Kai-Uwe Heinrich, hat in der Nacht des Mauerfalls und am Tag danach fleißig fotografiert.

Lesen Sie auch: Bernd Matthies beschwert sich, warum der Zettel überhaupt in Bonn gelandet ist, außerdem das Tagesspiegel-Interview mit Günter Schabowski: "Wir wollten uns mit dem Westen arrangieren" sowie den Rant: Mehr Erinnerung an Schabowski!

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