Streit um Immobilienprojekt : Wohnen im Landschaftspark

In Lichterfelde-Süd hat sich ein ehemaliger Truppenübungsplatz zu einem wertvollen Naturreservoir entwickelt. Jetzt will ein Investor Wohnungen für 5000 Menschen bauen. Die Grünen finden das Projekt okay, doch Naturschützer melden Zweifel an.

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Pferde weiden auf der Fläche der ehemaligen Parks Range, einem US-Truppenübungsplatz.
Pferde weiden auf der Fläche der ehemaligen Parks Range, einem US-Truppenübungsplatz.Foto: Mike Wolff

Für Fachleute ist das ehemalige Truppenübungsbiet Parks Range in Lichterfelde-Süd ein „Hotspot der Biodiversität“. 800 Arten, darunter seltene Vögel wie Mäusebussard und Wendehals, sind hier beheimatet. Gleichzeitig ist das rund 100 Hektar große Gebiet an der Grenze zu Brandenburg eine wichtige Reservefläche für den Wohnungsbau. Die soll nun erschlossen werden, und es zeichnen sich wie auf dem Tempelhofer Feld Konflikte zwischen Politik und engagierten Naturschützern ab.

Die Bebauung des Gebietes war am Mittwoch Thema im Stadtentwicklungsausschuss. Staatssekretär Ephraim Gothe (SPD) sprach von einem „wohnungspolitisch bedeutsamen Projekt“ für die Stadt. Er hoffe, das anstehende Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplanes werde „ohne großes Störfeuer“ über die Bühne gehen. Zuvor waren Gerüchte laut geworden, der Senat könne die Planung an sich ziehen, um den Bau zusätzlicher Wohnungen durchzusetzen.

In einer Absichtserklärung haben sich der Bezirk Steglitz-Zehlendorf und Investor Klaus Groth auf einen Kompromiss geeinigt: 40 Prozent der Fläche sollen danach bebaut, 60 Prozent als Landschaftspark erhalten werden. Das reicht einer örtlichen Initiative, der „Aktionsgemeinschaft Landschaftspark Lichterfelde- Süd“ nicht aus. Die Naturschützer verlangen, ein Gutachten zur Artenvielfalt umzusetzen und nur auf einer Fläche von maximal 27 Hektar zu bauen.

Die Grünen unterstützen den Kompromiss des Bezirksamtes. Eine Randbebauung mit rund 2200 bis 2700 Wohnungen wäre ein „gutes Ergebnis“, sagte Christa Markl-Vieto, grüne Bezirksstadträtin für Umwelt und Tiefbau. Die Gelder für Ausgleichsmaßnahmen würden in die dauerhafte Pflege des Landschaftsparks fließen. Dabei geht es besonders um rund 40 Pferde, die auf Teilflächen weiden. Diese Herde soll bleiben dürfen, wo sie ist.

Mehr als 5000 Menschen könnten in das neue Wohngebiet ziehen. Es sollen Ein- und Mehrfamilienhäuser, aber auch Geschosswohnungsbauten entstehen, maximal sechs Etagen hoch – dazu Kindertagesstätten und möglicherweise eine Schule. Die Erschließung und zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen würden rund 68 Millionen Euro kosten, daran wolle er sich beteiligen, sagte Investor Groth. Baugruppen und Genossenschaften sollten zum Zuge kommen, Sozialwohnungen seien bislang nicht geplant. Ende des Jahres 2015 könnte das Bauprojekt starten, für 2019 wäre dann bislang die Fertigstellung geplant.

Die SPD-Abgeordnete Irene Köhne erinnerte daran, dass in einer alten Planung aus den neunziger Jahren eine Komplettbebauung mit rund 8000 Wohnungen vorgesehen war. Wichtig sei, dass keine „20-Stöcker“ wie in der benachbarten Thermometersiedlung entstünden. Dort gebe es „massive“ soziale Probleme, sagte Markl-Vieto. Wie das Brennpunktquartier von dem Neubauvorhaben für solvente Mittelständler profitieren könnte, ist noch völlig offen.

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