Berlin : Streit um Medikamente: Nervenkrieg um Copaxone

CS

Das Gezerre war zuletzt unerträglich. Wochenlang wußten etliche MS-Patienten in Berlin nicht, ob das Medikament Copaxone weiterhin von ihrer Krankenkasse übernommen wird oder sie es selbst bezahlen müssen. Hätten sich die Kassen auf Dauer verweigert, wäre das nahezu unerschwinglich geworden: Eine Dosis Copaxone kostet im Monat rund 2100 Mark. Sie ist aber häufig unerlässlich, falls Interferone, die zuallererst verordnet werden, Nebenwirkungen wie Depressionen oder Neurodermitis auslösen.

Doch nach langem Hin und Her zeichnet sich jetzt eine Einigung ab. So unterschrieb die Barmer beispielsweise den Ärzten ein Papier, in dem sie eine Kostenübernahme zusichert, falls das Präparat "indikationsgerecht" eingesetzt wird. Die Vereinbarung gilt folglich im Rahmen der bevorstehenden Zulassung von Copaxone für die schubförmig verlaufende Multiple Sklerose, nicht aber für zwei weitere Verlaufsformen, bei denen die Krankheit schneller um sich greift. Aber das ist für Ärzte und Patienten kein Problem. Denn im Gegensatz zu den umstrittenen Krebsmitteln gibt es bei Copaxone so gut wie keinerlei Studien, aus denen hervorgeht, wie es außerhalb seiner Zulassung wirkt. Also wird es in diesem Zusammenhang kaum eingesetzt.

Amtlich abgesegnet ist das Mittel bereits in den USA und der EU, im November soll nun die bundesdeutsche Zulassung für die schubförmige MS erfolgen. Ein für Laien kaum überschaubarer Wirrwarr an Genehmigungen, in dem sich offenbar auch die Berliner Kassen und Ärzte verhedderten. Vermutlich meldeten deshalb mehrere Kassen Schäden an, die ihnen durch Copaxone-Verordnungen entstanden seien. Die Ärzte wiederum, von den Regressen aufgeschreckt, erklärten: "Ab sofort ist uns jede weitere Verordnung untersagt." Andernfalls müssten sie als Strafe die Kosten selber tragen.

Doch schließlich sahen Mediziner und Kassen genauer hin, hinzu kam der Druck der Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG). Das ersparte den Patienten eine weitere Zitterpartie.

0 Kommentare

Neuester Kommentar