Berlin : Streit um Metro-Großmarkt an der Anschutz-Halle

Handelskonzern will in der Nachbarschaft der geplanten Arena bauen. Die SPD fürchtet zu viele Belastungen für die Anwohner

Matthias Oloew

In Friedrichshain gibt es Streit um einen geplanten Metro-Großmarkt. Das Bezirksamt will auf den nicht genutzten Gleisen zwischen den Stationen Ostbahnhof und Warschauer Straße, also in der Nachbarschaft der ebenfalls geplanten Anschutz-Arena, ein Gewerbegebiet einrichten. Wichtigster Bau wäre der Großmarkt mit rund 16000 Quadratmetern Nutzfläche – das ist nur geringfügig weniger, als Ikea in Schöneberg hat. Die SPD in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) verlangt nun, dass mit dem Metro-Konzern verhandelt wird, damit die geplanten rund 550 Parkplätze nicht vor dem Markt, sondern eventuell unter dem Gebäude – wie schon bei Ikea in Schöneberg – untergebracht werden. Metro- Sprecher Jürgen Homeyer hält sich mit einer Stellungnahme zum Streit bedeckt: „Für uns ist die endgültige Standortentscheidung noch nicht gefallen.“ Es gebe in Berlin Alternativen zu Friedrichshain.

Mit einer Tiefgarage sollen die Belastungen für die Anwohner an der Helsingforser Straße reduziert werden. „Wir hoffen, dass somit weniger Fläche versiegelt werden muss und eine ebenfalls auf dem Bahngelände vorgesehene Grünfläche noch größer wird“, sagt der stadtentwicklungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Clemens Teschendorf. Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) hat dafür kein Verständnis: „Für Metro sind solche Forderungen ein K.-o.-Kriterium.“ Seinen Angaben zufolge plant der Konzern im Sommer mit dem Bau zu beginnen.

Der Streit brach am Donnerstagabend aus, als Schulz die detaillierten Pläne im Stadtentwicklungsausschuss von Friedrichshain-Kreuzberg vorstellte. „Den Bebauungsplan für das Gewerbegebiet haben wir mitgetragen“, erklärt Teschendorf, „aber wir wollen, dass der zusätzliche Verkehr vernünftig geregelt wird.“ Das ist aus Sicht der Verwaltung bereits geschehen. „Die Anfahrt für Kunden und die Warenanlieferung werden von der Straße der Pariser Kommune erfolgen“, sagt Schulz, „nicht über die Warschauer Straße.“ Somit sei die mögliche Belastung für die Nachbarn bereits minimiert.

Beide Seiten wollen die Metro-Ansiedlung auf der BVV-Sitzung in der kommenden Woche zum Thema machen. Für den Stadtrat kommt eine Tiefgarage aus ökologischen Gründen nicht in Frage: „Wir haben dort einen hohen Grundwasserspiegel. Eine Garage hätte gravierende Auswirkungen.“ Außerdem führt Schulz das Baurecht ins Feld. Die Bahn als Eigentümer des Geländes werde nur verkaufen, wenn die Erlöse stimmten. Für eine Grünanlage gäbe sie das Gelände nicht her. „Nach dem Baurecht könnte sie jetzt ein- und zweigeschossige Gewerbehallen bauen“, erklärt Schulz, „dann gäbe es keinen Quadratmeter neues Grün.“

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