Berlin : Streit um Treitschke soll lehrreich werden

CDU und Grüne legen gemeinsames Gedenkkonzept für Steglitz-Zehlendorf vor

CDU und Grüne haben sich in Steglitz-Zehlendorf auf ein Konzept zur Erinnerungskultur geeinigt. Die beiden Parteien, die in einer schwarz-grünen Zählgemeinschaft das Bezirksamt gebildet haben, entschärfen in dem Konzept den Konflikt um die Treitschkestraße in Steglitz. Deren Umbenennung war über Jahre Gegenstand heftiger Streitereien zwischen der CDU und den Grünen im Bezirk. Im Bemühen um einen für beide Seiten tragbaren Kompromiss hatten sich CDU und Grüne vor Monaten schon darauf verständigt, den Park an der Treitschkestraße nach dem Widerstandskämpfer Harry Breslau zu benennen.

Das Konzept, das die Fraktionen von CDU und Grünen nun vorlegen, vertagt eine Entscheidung über den Straßennamen auf das Ende der Legislaturperiode. Bis dahin soll der Namensstreit genutzt werden, um vor allem Schüler und Jugendliche für die Geschichte der NS-Zeit zu interessieren, wie die Grünen-Fraktionschefin Christa Markl-Vieto am gestrigen Mittwoch erklärte.

35 000 Euro will sich der Bezirk das Gedenken zusätzlich kosten lassen. Das Geld soll für Veranstaltungen und für die Bildung eines „Expertenpools“ ausgegeben werden, dessen Mitglieder Jugendliche über die deutsche Geschichte des vorigen Jahrhunderts informieren. Mit eigenen Veranstaltungen will der Bezirk in Zukunft an fünf Gedenktagen besonders erinnern. Dazu gehören der Holocaust-Gedenktag (27. Januar) und der 9. November mit seiner dreifachen Erinnerung an die Revolution 1918, die Judenpogrome 1938 und den Mauerfall 1989. Wichtig für das Gelingen des Konzepts sei, dass möglichst viele Bürger einbezogen werden, sagte Markl-Vieto.

Am Ende der Legislaturperiode werde man dann sehen, ob die Treitschkestraße als Anlassgeber für die Befassung mit Geschichte dauerhaft tauge oder ob sie doch noch umbenannt werden soll, so die Grünen-Fraktionschefin. CDU-Fraktionschef Marc Wesser lobte das Konzept: Man habe den „größten gemeinsamen Nenner“ formuliert. Und die CDU sei für die Umbenennung der Straße nach wie vor „grundsätzlich offen“. wvb.

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