STREIT UM DIE RASSELISTE : STREIT UM DIE RASSELISTE

DIE UMSTRITTENE

Mit der Einführung des Hundeführerscheins wird die umstrittene Rasseliste, in der Pit Bulls und neun weitere Kampfhunderassen erfasst sind, voraussichtlich abgeschafft. Seit 2000 müssen deren Halter Sachkunde nachweisen und dürfen ihre Tiere nur mit Maulkorb und angeleint ausführen. Klagen, dies verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz, scheiterten vor Gericht. In der rot- schwarzen Koalition zeichnet sich nun aber eine Mehrheit dagegen ab.

KONTRA

Zu jeder Rasse gehören friedliche, aber auch aggressive Tiere – je nach Erbgut und Sozialisation. So argumentieren die Listengegner, darunter auch der Berliner Tierschutzverein – und folgern: „Man darf keine Rasse pauschal verurteilen.“ Stattdessen müsse man im Sinne des geplanten Hundeführerscheins künftig jedes Tier individuell nach seinem Wesen und seiner Erziehung beurteilen sowie die Eignung des Halters überprüfen. Außerdem weisen die Gegner darauf hin, dass Mischlinge oder Schäferhunde laut Statistik öfter zubeißen als Kampfhunde. Deren Verurteilung erzeuge nur Leid: Wegen der scharfen Auflagen kommen viele ins Tierheim, zeitweise werden dort bis zu 150 herrenlose Kampfhunde betreut.

PRO

Kampfhunde haben eine stärkere Bisskraft und können noch immer ein gefährliches Erbe in sich tragen: die frühere Zuchtauswahl, die Aggressionen förderte. Das sagen die Listenbefürworter – und verweisen gleichfalls auf die Statistik. Seit es die Rasseliste gibt, gingen die Attacken durch solche Hunde von 279 im Jahr 1999 auf 32 in 2011 zurück. Der Hinweis auf die angeblich öfter zubeißenden Schäferhunde erzeuge ein falsches Bild. Diese würden wesentlich häufiger gehalten. Das müsse man in Bezug zur Zahl der Bissvorfälle setzen. Wertet man die Statistik von 2011 derart aus, so schnappen Kampfhunde 20-30 Prozent öfter zu als alle anderen Hunde. Deshalb halten Hamburg und Brandenburg an der Liste fest. cs

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