Berlin : Streit ums Handy: Mordprozess gegen vier Jugendliche

Raubzug einer Clique endete beinahe tödlich Verfahren findet hinter geschlossenen Türen statt

Kerstin Gehrke

Die jungen Räuber hatten es auf das iPhone eines Parkbesuchers abgesehen. Und da sie nicht lockerließen, hätten sie den Mann beinahe umgebracht. Sechs Monate nach dem brutalen Handy-Raub und zwei weiteren Überfällen hat gestern der Prozess gegen sechs Jugendliche begonnen. Vier von ihnen wird versuchter Mord vorgeworfen. Der Prozess läuft unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Sie sind 16 bis 19 Jahre alt und kennen sich aus ihrem Kiez in Moabit. Als „lockere Jugendgruppe“ sollen sie durch die Straßen gezogen sein. Eine multikulturelle Truppe: ein Türke, zwei Jugendliche aus libanesischen Familien, ein Ukrainer, ein Portugiese, ein Russe. Sie besuchten verschiedene Schulen. Zwei der Angeklagten, die sich wegen Mordversuchs verantworten müssen, wollen das Abitur machen.

Am Abend des 3. Mai fuhren die vier Hauptangeklagten den Ermittlungen zufolge von Moabit nach Steglitz. Der 17-jährige Atilla E. soll vorgeschlagen haben, „jemanden abzuziehen“. Das hatten er und zwei seiner Kumpels laut Anklage bereits am Vortag getan. Nun sollen sie zum Ruth-Andreas-Friedrich-Park am Botanischen Garten gegangen sein und dort den Parkbesucher Raphael M. mit seinem iPhone entdeckt haben, der mit Freunden beim Picknick saß. „Ey, guck mal, Handy!“, brüllte einer der Angreifer. Der 26-jährige Modedesigner M. wurde von fünf jungen Männern umringt.

Ein Messer blitzte auf. Atilla E. soll dem Opfer seitlich in den Rücken gestochen haben. Ein gleichaltriger Angeklagter habe mit einem Gürtel zugedroschen. Dem Modedesigner gelang zunächst die Flucht. Doch die Täter verfolgten ihn. Einer schnitt ihm den Weg ab und stellte ihm ein Bein. Alle Angreifer hätten auf ihn eingeschlagen, Atilla soll erneut auf ihn eingestochen haben. Dennoch wollte Raphael M. nicht aufgeben. Er kniete auf dem Boden, wehrte sich nach Kräften. Da soll Atilla E. wieder zugestochen haben. Der Modedesigner konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden.

Wenige Tage nach dem Überfall fasste die Polizei mehrere Tatverdächtige. Ein 14-jähriger Schüler, dem sie ebenfalls das Handy geraubt haben sollen, sorgte für den schnellen Fahndungserfolg. E. soll damals erklärt haben, er sei am 3. Mai „so besoffen wie noch nie“ gewesen. Mit einem Urteil wird nicht vor Dezember gerechnet.

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