Berlin : Streit vorm Imbiss: Ein Toter und vier schwer Verletzte

Die Mordkommission hatte eine schwere Nacht Auch vor einer Schöneberger Disko floss Blut

Jörn Hasselmann

Messer machen Mörder – diese alte Kriminalisten-Weisheit bestätigte sich in der Nacht von Freitag auf Sonnabend auf schreckliche Weise. Die Bilanz zweier Streitigkeiten aus – offenbar nichtigen – Anlässen: Ein Mann ist tot, vier liegen mit schweren Stichwunden in Krankenhäusern. Bei einer dritten Gewalttat versuchte ein 42-Jähriger seine 35 Jahre alte Lebensgefährtin zu erwürgen. Die Mutter von fünf Kindern hatte sich im letzten Moment befreien können. In allen drei Fällen hat eine Mordkommission die Ermittlungen übernommen.

Tatort Potsdamer Straße, 23 Uhr: Vor einem Imbiss bewerfen Türken eine vorbeigehende Gruppe Kasachen mit Böllern. Es kommt zum Streit, erst fliegen Beschimpfungen, dann Flaschen und Fäuste. Mindestens einer aus der türkischen Gruppe zieht sein Messer. Am Ende liegen drei Männer am Boden. Einer von ihnen, der 22-jährige Iwan W. aus Tempelhof, stirbt wenig später im Krankenhaus, seine beiden Freunde werden von den Ärzten gerettet. Die Polizei sperrt die Potsdamer Straße zwischen Kurfürsten- und Pohlstraße, damit Sanitäter und die Spurensicherung besser arbeiten können; Autos und Busse werden umgeleitet. Sieben Türken zwischen 17 und 20 aus verschiedenen Bezirken werden festgenommen, am Sonnabend aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Offenbar war dem Messerstecher vor Eintreffen der Polizei bereits die Flucht gelungen.

Ebenso undurchsichtig ist der Ablauf des Geschehens einen Kilometer entfernt. Tatort Hauptstraße, 4 Uhr früh: In der Diskothek Havanna geraten einige Gäste aneinander. Der Streit verlagert sich schließlich auf den Bürgersteig. Der aus Senegal stammende 28-jährige Ka M. bekommt dort ein Messer in den Oberkörper gerammt, geht zu Boden. Mit einer Notoperation wird sein Leben gerettet. Die Polizei nimmt in dem Durcheinander neun Männer „unterschiedlichster Herkunft“ fest. Wer von ihnen bei dem Streit welche Rolle gespielt hat und wer dann mit dem Messer zustach, müsse noch ermittelt werden, hieß es gestern bei der 3. Mordkommission. Klar sei derzeit nur, dass es mit der vorangegangenen Messerstecherei in der Potsdamer Straße keinen Zusammenhang gebe. Für den nahe gelegenen Abschnitt 42 war es nicht der erste Einsatz im Havanna. Schön öfters gab es in der Disko handgreiflichen Streit, noch nie jedoch hatte einer so tragische Folgen.

Klarer sind die Umstände einer Beziehungstat in Marzahn. Gegen 22 Uhr hat in der Allee der Kosmonauten in Marzahn ein 42-Jähriger seine langjährige Lebenspartnerin in ihrer Wohnung von hinten angegriffen. Der aus Kuba stammende Täter versuchte, die 35-Jährige zuerst zu würgen und presste ihr dann beide Hände auf Mund und Nase. Als ihr der zwölfjährige Sohn zu Hilfe kam, konnte sie sich im letzten Moment befreien. Danach rief das älteste der fünf Kinder die Polizei an, die Beamten konnten den Mann noch in der Wohnung festnehmen. Als Motiv kommt Eifersucht in Betracht, hieß es. Der Mann sollte gestern Abend einem Haftrichter vorgeführt werden. Ob dieser die Tat als versuchten Totschlag oder als versuchten Mord wertet, stand noch nicht fest.

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