Berlin : Streit zwischen Punks und Anwohnern in Friedrichshain eskaliert

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Lärm können die Bewohner der ehemals besetzten Häusern in der Rigaer Straße 83 und 84 und ihre Freunde nicht leiden. Besonders den nicht, den die Polizei allabendlich bei ihnen veranstaltet. "Die kommen regelmäßig gegen elf und grölen in der Straße rum, dass man leise sein soll", empört sich der 24-jährige Stefan. Warum das Bezirksamt überhaupt verfügt hat, dass nach 20 Uhr kein Lärm mehr gemacht werden darf und die Polizei dies kontrolliert? "Na ja, da ist der Stress mit den Nachbarn. . ." Auf jeden Fall schmerzt der Klang der Lautsprecher in Stefans Ohren.

Mit ihm liefen am Mittwochabend etwa 250 linke Jugendliche - sie nennen sich "Bürger gegen ruhestörenden Lärm" - durch die Rigaer Straße, um gegen die Polizeigeräusche zu protestieren. Nicht, dass sie selbst leise gewesen wären. Mit Trommelwirbeln auf Baucontainern und Backblechen sowie Trillerpfeifen unterstrichen sie eifrig ihre Forderungen nach "Ruhe", vielfach selbst geschützt durch Ohrenstöpsel. Und fassungslos beobachtet von einer älteren Anwohnerin: "Das ist doch eine Unverschämtheit. Die machen seit Jahren Radau, und protestieren jetzt gegen Ruhestörung?"

So richtig gemütlich ist das Verhältnis zu den Nachbarn immer noch nicht, obwohl die ehemaligen Hausbesetzer mittlerweile fast alle Mietverträge besitzen und sich brav beim Einwohnermeldeamt registrieren ließen. Haus Nummer 84 ist mit der Proskauer Straße 10 durch einen gemeinsamen Hinterhof verbunden. Bewohnerin Monika Hoffmann: "Zu Anfang haben sich die Nachbarn noch direkt bei uns beschwert. Aber das war schon, wenn man nur laut gelacht hat. Dann haben sie nur noch die Polizei gerufen."

In diesem Sommer sind beim Bezirksamt bereits etwa 20 Anzeigen eingegangen. Vor zwei Wochen eskalierte die Situation nach einer Anzeige wegen eines Live-Konzertes. Bei gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Polizisten und Punks wurden sieben Beamte und ebenso viele Jugendliche verletzt. Seitdem kam die Polizei fast täglich vorbei, die Ex-Besetzer fühlen sich schikaniert. Am 11. August beschlagnahmten Polizisten die Ziegelsteine auf dem Dach von Haus 83, die nach Angaben des Bewohners Florian Schindler zur Reparatur des Schornsteins gebraucht wurden. Ein Polizeisprecher: "Das war ein Wurfsteindepot." Stephan Lankner vom Vorstand der Hauseigentümerin, der "Selbstverwalteten Ostberliner Genossinnenschaft (SOG)", bedauert die Eskalation. "Wir haben immer gut mit dem Bezirksamt zusammengearbeitet, es müsste dort klar sein, dass man mit einem Polizeiaufmarsch die Stimmung nicht beruhigt." Inzwischen hat der Bezirk Gesprächsbereitschaft signalisiert. Die Kommunikation der Jugendlichen mit den Anwohnern beschränkt sich zurzeit jedoch auf ein Spruchband, das am Mittwoch zu sehen war: "Ruhe und Frieden gibt es im Grunewald".

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