Berlin : Streitfall Strandbar

Der Bezirk Mitte verweigert die Genehmigung, der Senat will Cocktails und Liegestühle im Regierungsviertel halten

Alexander Visser

Ist es der Kampf einer Unternehmerin mit einer guten Idee gegen eine engstirnige Bürokratie? Oder weist ein korrekter Amtsmann eine Gastronomin in die Schranken, die sich über behördliche Auflagen hinwegsetzt? Tatsache ist, dass der Bezirk Mitte dem Bundespressestrand am Spreeufer für 2005 keine Genehmigung erteilen will. Weil jeder die Strandbar an dem prominenten Standort zwischen Reichstag und Bundespressekonferenz kennt, gibt es einen großen Streit in der Stadt, ob dort auch im nächsten Sommer wieder Liegestühle aufgestellt werden dürfen.

Die Sicht des Amtsmanns: Harald Büttner, der Leiter des zuständigen Straßen- und Grünflächenamtes von Mitte, kritisiert, die Strandbar-Betreiberin Johanna Ismayr habe Auflagen seiner Behörde ignoriert. So seien die Liegestühle so dicht an das Spreeufer gerückt worden, dass Fußgänger, Fahrradfahrer oder auch Rollstuhlfahrer kaum noch hätten passieren können. Bundestagsabgeordnete, die im nahen Paul-Löbe-Haus arbeiten, hätten sich über Lärm beschwert. Und über den Imageschaden: Der Cocktail-Ausschank vor dem Parlament erwecke den Eindruck, die Parlamentarier würden trinken statt beraten. Auch Mitarbeiter der Kindertagesstätte des Bundestages hätten geklagt, über den Geruch der chemischen Dixi-Klos und über das Ungeziefer, das durch die Essensreste der Strandbar angelockt worden sei. „Der Kammerjäger musste anrücken“, klagt Büttner.

Die Sicht der Geschäftsführerin: Johanna Ismayr hält die Argumente der Behörde für „absurd“. „Jedes Mal werden neue Gründe gesucht, unseren Antrag abzulehnen“, sagt sie. Auch in den beiden Vorjahren habe die Behörde zunächst keine Genehmigung erteilen wollen. Die habe man erst erhalten, nachdem die Senatswirtschaftsverwaltung eingeschaltet wurde.

Die Sicht des Senats: Die Stadtentwicklungssenatorin steht auf der Seite der Liegestühle. Ingeborg Junge-Reyer (SPD) sagte in der vorigen Woche, sie wolle sich für den Bundespressestrand einsetzen. Für Berlin wäre es ein Verlust, wenn die Strandbar, die ein „Touristenmagnet“ im Regierungsviertel sei, eingestellt werden müsste. Aus Sicht der Stadtentwicklungssenatorin stört die Gastronomie an der Spree auch nicht den architektonischen Gesamteindruck des fertig gestellten Regierungsviertels am Spreebogen.

Die Sicht des Bürgermeisters: Joachim Zeller kann die ganze „populistische Debatte“ nicht verstehen. „Das erinnert mich an den Streit um die Currywurst-Bude am Brandenburger Tor“, sagt der Bezirksbürgermeister von Mitte. „Die Behörde hat gute Gründe, die Genehmigung zu versagen.“ Und Strandbars gebe es in Berlin mittlerweile „wie Sand am Meer“. Zeller kann sich aber auch noch eine andere Lösung vorstellen: „Vielleicht werden wir eine Ausschreibung für die Spreepromenade machen, die dann auch anderen Veranstaltern offen steht.“

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