Berlin : Streitthema Völkermord

Wie türkische Blätter Berichte über den Film „Haus der Lerchen“ kritisieren

Suzan Gülfirat

Der Berlinale-Film „Haus der Lerchen“ über den Massenmord an den Armeniern 1915 fand in deutschen Medien viel Beachtung. Mit dem Ende des Filmfestivals am 18. Februar hörten die Berichte auf, weil der Film in Deutschland keinen Verleiher gefunden hat. Türkische Zeitungen dagegen haben am vergangenen Dienstag – zwei Tage nach dem Ende der Berlinale – diesen Film erstmals erwähnt.

„Irtemçelik macht dpa (Deutsche Presse-Agentur) auf Falschmeldung aufmerksam“, schrieb die Hürriyet über ihrem Bericht zu diesem heiklen Thema. „Botschafter Mehmet Ali Irtemçelik machte die dpa darauf aufmerksam, dass die Behauptung, die sie im Rahmen der Berlinaleberichte über den Film ,Haus der Lerchen‘ aufstellt, die Vereinten Nationen hätten die Umsiedlungsaktionen 1915 als Völkermord anerkannt, nicht stimmt“, zitierte die Hürriyet den Botschafter. „Reaktion des Botschafters gegenüber der dpa“, schrieb die Milliyet über ihrem Bericht.

Am Sonnabend berichtete die Hürriyet dann auf der Titelseite ihrer Europa-Beilage über die „Blitztreaktion von Irtemçelik an dpa“. Denn in der Zwischenzeit hatte der Chefredakteur der Nachrichtenagentur, Wilm Herlyn, auf den Brief des Botschafters geantwortet. Die Tageszeitung Türkiye brachte diese Nachricht sogar auf ihrer Titelseite. „dpa reagiert auf den Brief von Irtemçelik“, titelte die Zeitung zu einem Anriss.

Die Überschrift der Fortsetzung im Innenteil lautete: „dpa: Wir haben nicht vorsätzlich gehandelt“. Aus den Berichten der Zeitungen ging hervor, dass die Agentur sich bei ihrer Behauptung auf einen Bericht der Vereinten Nationen aus dem Jahre 1985 beruft. Aber auch diese Behauptung sei falsch, habe der Botschafter nun zurückgeschrieben, berichteten alle türkischsprachigen Blätter übereinstimmend. Die UN hätten die „Umsiedlungsaktionen der Armenier 1915“ zu keinem Zeitpunkt als „Völkermord“ anerkannt, zitierten sie den Botschafter. Die dpa wolle zu der Thematik noch gesondert Stellung nehmen, berichteten alle Blätter, wobei sie den Eindruck erweckten, als habe die Nachrichtenagentur tatsächlich einen Fehler begangen.

Aufregung gab es auch wegen einer Einladung beinahe sämtlicher türkischstämmiger Abgeordneter in den Parlamenten Europas in die Türkei. Anfang der Woche brachte eine türkische Zeitung eine Falschmeldung. Es hieß, der türkische Außenminister Abdullah Gülen habe die kurdischstämmigen Politiker aus der Türkei nicht eingeladen. In den Tagen darauf dementierten Berliner Abgeordnete wie Giyasettin Sayan und Helin Evrim Baba (Linkspartei/PDS) diese Nachricht.

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