Berlin : Streng nach Vorschrift in die Irre

Linie 1 und Linie 15: Informationen zu Streckensperrung und Ersatzverkehr bei der U-Bahn verwirren die Fahrgäste

Klaus Kurpjuweit

Die BVG führt ihre Fahrgäste weiter in die Irre – streng nach Vorschrift. So irren vor allem Ortsfremde auf den U-Bahn-Linien 1/15 durch die Bahnhöfe, ohne den richtigen Weg zu finden. Und es geht noch wochenlang so weiter. Seit dem 5. Juli ist die U 1/15 zwischen Nollendorfplatz und Hallesches Tor wegen Bauarbeiten gesperrt. Von Westen kann der Endbahnhof Warschauer Straße nur noch mit Umsteigen auf den Bus erreicht werden, von Osten gilt dies für die Bahnhöfe Krumme Lanke und Uhlandstraße. Trotzdem stehen auf den Zielanzeigern an den Zügen und auf den Bahnsteigen weiter die üblichen Endbahnhöfe – als würde es die Unterbrechung nicht geben. Nur in kleiner Schrift blendet das „dynamische Auskunfts- und Informationssystem (Daisy)“ auf den Bahnhöfen sporadisch den Hinweis auf die Streckensperrung ein.

Das ist seither Alltag: Im Bahnhof Uhlandstraße steigen unkundige Fahrgäste, wie eine Familie aus Amerika, mit dem Netzplan in der Hand in den Zug, der laut Angaben zur Warschauer Straße fährt. Doch bereits an der zweiten Station Wittenbergplatz ist die Fahrt – planmäßig – beendet. Dass es mit der Linie U 2 bis Mendelssohn-Bartholdy-Park weitergeht, wo man dann in den Bus Richtung Hallesches Tor umsteigen muss, wird zwar per Lautsprecher mitgeteilt, doch die Durchsagen sind oft nur schwer zu verstehen. Und wer kein Deutsch spricht, hat Pech. Auch die Amerikaner bleiben zunächst sitzen, bis sie aus dem Zug gescheucht werden. Mühsam verstehen sie, dass es auf dem anderen Bahnsteig weitergeht. Also erst treppauf, dann wieder treppab. Und dort steht bei „Daisy“ wieder als Ziel „Warschauer Straße“. Wer nun in diesen Zug steigt, kommt nur eine Station weiter. Am Nollendorfplatz ist endgültig Schluss. Anschluss Richtung Mendelssohn-Bartholdy-Park gibt es nur mit den Zügen der U 2 – viele Stufen weiter oben. Ähnlich ergeht es den Fahrgästen aus Richtung Warschauer Straße, die am Halleschen Tor die Züge verlassen müssen. Als Ziel am Bus ist hier Uhlandstraße angegeben, doch die Busse fahren nur bis Mendelssohn-Bartholdy-Park, wo es mit der U-Bahn weitergeht. Der Bahnhof Kurfürstenstraße bleibt dabei abgeschnitten, er ist nur vom Bahnhof Bülowstraße aus zu Fuß zu erreichen.

An der Ausschilderung könne man nichts ändern, sagt BVG-Sprecherin Barbara Mansfield. Nach den Vorschriften müssten bei der U-Bahn als Fahrtziel immer die Bahnhöfe am Ende der Strecke angegeben werden, auch wenn die Züge schon vorher ihre Fahrt beenden. Man versuche deshalb, Fahrgäste anders zu informieren.

Bei der S-Bahn verschwindet dagegen der übliche Endbahnhof auf allen Anzeigen, wenn eine Strecke unterbrochen wird – wie derzeit zwischen Charlottenburg und Zoo. Auf den Anzeigen steht dann der Bahnhof, auf dem die Züge tatsächlich enden: Zoo für die Bahnen aus Osten, Charlottenburg für die Züge aus Spandau und Wannsee. „So weiß der Fahrgast, dass er sich informieren muss“, sagt S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. Die S-Bahn darf dies, weil sie eine andere Aufsichtsbehörde als die U-Bahn hat. Falls vorübergehende Endbahnhöfe in den Anzeigetafeln nicht vorhanden seien, würden diese nachgerüstet. „Doch wichtig ist, dass die Kunden verstehen, wie die Züge fahren“, sagt Priegnitz. Die amerikanische Familie in der U-Bahn hat jedenfalls nichts mehr verstanden.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben