Berlin : „Streng und transparent“

Der Stadionskandal in München: Was in Berlin anders ist und wie Bestechung verhindert werden soll

André Görke

Dieter Hoeneß hat mit seinem Bruder Uli telefoniert, am Abend schon und noch einmal am Morgen. Die beiden Fußball-Manager, der eine von Hertha BSC, der andere von Bayern München, reagieren irritiert auf die Schmiergeld-Affäre beim Bau des Münchner Stadions. Öffentlich äußern wollen sie sich nicht zu diesem Thema, man sei jedenfalls „sehr, sehr überrascht“ worden, sagt Herthas Manager Dieter Hoeneß.

Wenige Meter von der Geschäftsstelle des Berliner Bundesligisten entfernt donnern die Lastwagen vorbei und verschwinden hinter den Bauzäunen des Olympiastadions. Im Sommer soll die Arena mit 75 000 Plätzen fertig sein, ein großes Stadionfest ist geplant. An diesem Tag werden hunderte Arbeiter bei einem Bier anstoßen dürfen – nach vier Jahren Bauzeit ist ihr Projekt vollendet; 242 Millionen Euro wurden in das Olympiastadion investiert. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 soll in Berlin neben vier Vorrundenspielen und einem Achtelfinale auch das Finale stattfinden.

Während in Berlin die WM endet, wird das Turnier einen Monat zuvor in der neuen Münchner Allianz-Arena eröffnet. Die Finanzierung der beiden Stadien ist nicht zu vergleichen: Die Münchner Arena (280 Millionen Euro Baukosten) wurde privat finanziert – durch die beiden Gesellschafter und Fußballvereine Bayern München und TSV 1860. Der Vorsitzende der Fußball-Abteilung von 1860 München und Geschäftsführer der Stadion GmbH, Karl-Heinz Wildmoser junior, soll in den Bestechungsskandal verwickelt sein. Er und drei weitere Personen stehen in Verdacht, bei Vergabe des Auftrages Informationen weitergegeben und Geld erhalten zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Das Olympiastadion in Berlin ist ein ähnlich gigantisches Projekt wie das in München. Dass bei der Vergabe der Bauaufträge gemogelt wird, sei generell nie auszuschließen, sagen Branchenkenner. Alexander Görbing, Sprecher der Walter Bau AG, betont jedoch: „Die Vorgaben bei der öffentlichen Ausschreibung waren sehr streng und sehr transparent. Es gibt keine Parallelen bei der Finanzierung.“ Was gerade in München passiert, schadet nicht nur dem Ruf der deutschen WM-Organisatoren. Es sei zudem „kein Signal für die Baubranche“, sagt Görbing. „Vorhandene Vorurteile werden bestätigt.“

Ende der Neunzigerjahre hat sich die Walter Bau AG mit ihrem Sanierungs- und Modernisierungskonzept für das Berliner Olympiastadion gegen andere Bauunternehmen wie Philipp Holzmann und Hoch-Tief-Bau durchgesetzt – erst bei der öffentlichen Ausschreibung, später in einem wochenlangen Streit vor Gericht. Der Bund zahlt für das Stadion fast 200 Millionen Euro nach Fertigstellung der einzelnen Bauabschnitte an Walter Bau. Das restliche Geld, 45 Millionen Euro, investiert das Bauunternehmen selbst – als Gegenleistung für die Genehmigung, das Stadion später betreiben zu können. Das Land Berlin ist nicht an der Finanzierung beteiligt. Das Vertragswerk wurde vom Parlament geprüft.

Kenner werten es als Vorteil, dass sich seitdem regelmäßig die Rechnungsprüfer des Bundes mit den laufenden Kosten des Projekts beschäftigen, diese überwachen und erst nach der Prüfung die Gelder überweisen. „Ich bin überzeugt, dass es bei uns keine Münchner Verhältnisse gibt“, sagt Berlins Sportsenator Klaus Böger.

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