Berlin : Strengere Auslese für die gymnasiale Oberstufe

Bildungskommission fordert, den Wissensstand zu überprüfen

Susanne Vieth-Entus

Deutschlands führende Bildungsforscher plädieren für eine strengere Auslese bei der Zulassung zur gymnasialen Oberstufe: Wer in die elfte Klasse versetzt werden möchte, soll künftig einen bestimmten Kenntnis- und Wissensstand nachweisen, ohne den er keine „Übergangsberechtigung“ in die Oberstufe erhält. Diese Empfehlung ist Teil des Berichts der Bildungskommission Berlin-Brandenburg, die Schulsenator Klaus Böger und sein Amtskollege Steffen Reiche (beide SPD) heute der Öffentlichkeit vorstellen wollen.

Die Bildungsforscher fürchten offenbar um das Niveau des Berliner und Brandenburger Abiturs. Ausdrücklich warnen sie davor, es allein den Schulen zu überlassen, ob ein Schüler zur gymnasialen Oberstufe zugelassen wird. Da viele Schulen unter Schülermangel leiden, sehen die Wissenschaftler die Gefahr, dass – insbesondere im geburtenarmen Brandenburg – „aus Kalkül“ auch ungeeignete Schüler mitgeschleppt werden - ohne Berücksichtigung des „individuellen Leistungsprofils“.

Anlass für die Befürchtungen sind die Befunde aus der Pisa-Studie, auf die sich die Bildungskommission direkt bezieht. Demnach gibt es bei den Neuntklässlern der Berliner und Brandenburger Gymnasien ein „deutliches Leistungsgefälle“: So lesen die West-Berliner Gymnasiasten so schlecht, dass sie fast um ein ganzes Schuljahr hinter den Ost-Berlinern zurückbleiben. Die Brandenburger wiederum lesen etwa so schlecht wie die West-Berliner. Ähnlich stark ist das Leistungsgefälle in Mathematik und den Naturwissenschaften.

„Noch kritischer“ sehen die Forscher das Problem der mangelnden Vergleichbarkeit bei den Real- und Gesamtschülern. Selbst die oberen Leistungskurse der Gesamtschulen erreichten nur das mittlere Leistungsniveau der Realschulen. Es gehe nicht an, dass die Schulen durch interne Versetzungskriterien diese großen Abweichungen und Niveauunterschiede „verdecken“.

Angesichts dieser großen Differenzen ist die Bildungskommission der Meinung, dass es nicht damit getan ist, einen mittleren Bildungsabschluss einzuführen, wie er jetzt in beiden Ländern geplant ist. Ausdrücklich betonen sie, dass zum Übergang in die gymnasiale Oberstufen mehr gehören muss als nur der Nachweis, dass man die Erwartungen erfüllt, die an den Abschluss der zehnten Klasse gebunden sind. Allerdings geben sie den beiden Landesregierungen keinen Rat, auf welche Weise sie die Eignung überprüfen können, ob also etwa eine schriftliche oder mündliche Prüfung als Voraussetzung für die Übergangsberechtigung taugt.

Wie berichtet, enthält der 270-Seiten-Bericht der Bildungskommission etliche brisante Empfehlungen für Berlin und Brandenburg. Ziel des Berichtes ist es, den Weg zur Länderfusion zu ebnen. Da der Vorsitzende der Kommission, Jürgen Baumert, auch Deutschlands Pisa-Studie leitete, sind in den Bericht etliche Konsequenzen aus Deutschlands schlechtem Abschneiden bei der Pisa-Studie eingeflossen. Berlin und Brandenburg gehörten deutschlandweit bei Pisa zu den Schlusslichtern.

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