Berlin : Stress in der heißen Phase

Nicht nur die Menschen brauchen Wasser bei der Hitze: Es ist höchste Zeit, Straßenbäume zu gießen

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Alles so schön entspannt seit Beginn der Fußball-WM? Von wegen: Die Pflanzen haben Stress wie selten. Weil es seit einem Monat nicht mehr ausgiebig geregnet hat, bekommen Parks und Straßenbäume große Probleme. Der Rasen ist ohnehin längst vertrocknet. Und heute steht Menschen und Pflanzen auch noch der heißeste Tag des Jahres bevor. Wer bei den angekündigten 34 Grad noch Kraft hat, sollte zumindest kleinere Bäume vor der eigenen Haustür mit mindestens zwei großen Eimern Wasser erfreuen – am besten abends, damit die Nässe nicht gleich wieder verdunstet. Perfekt wird die gute Tat, wenn vorher die Erde um den Baum gelockert wird, damit das Wasser gut versickern kann.

„Es kann nie zu viel sein“, sagt Hans- Gottfried Walter vom Grünflächenamt Mitte. Rund 50 seiner Kollegen sind täglich unterwegs, um zumindest die jüngeren Gewächse und den fanmeilengeplagten Tiergarten zu retten. Außerdem fahren Nacht für Nacht automatische Regner aus vielen Wiesen – zum Schrecken mancher Nachtschwärmer, die die Sprenger per Vandalismus ausschalten. Die Trockenheit sei noch nicht so schlimm wie im Jahrhundertsommer 2003, aber die Natur braucht dringend mehr als ein Gewitter.

Der Meteorologe Jens Neubauer von MC-Wetter macht wenig Hoffnung: Ab Freitag werde es zwar einige Regengüsse geben, aber für die kommende Woche zeichne sich schon wieder Sonnenschein und Hitze ab. Die Statistik zeigt den Ernst der Lage: Statt der üblichen 65 Liter pro Quadratmeter habe es im Juni etwa in Dahlem nur 18 Liter geregnet. Der letzte Schauer ist drei Wochen her.

Entsprechend sieht die Bilanz der Forstverwaltung aus, die schon für Juni zwölf größere Waldbrände verzeichnet. Zuletzt habe es am Dienstag in der Köpenicker Wuhlheide gebrannt, sagt Marc Franusch von der Forstverwaltung. Waldbrandwarnstufen wie in Brandenburg gibt es in Berlin nicht – und damit auch keine Einschränkungen oder gar Sperrungen bei großer Trockenheit. Dafür achten die Förster verstärkt auf das, was ohnehin das ganze Jahr über verboten ist: Feuer und Glut jeglicher Art, auch an Seeufern und auf breiten Wegen. „Die Preise für eine im Wald gerauchte Zigarette sind jetzt anders als im November“, sagt Franusch. Unter 100 Euro Strafe komme niemand davon. Wer absichtlich zündelt, ist mit bis zu 50 000 Euro und schlimmstenfalls Gefängnis dabei. Als Ausrüstung für Waldspaziergänge empfiehlt sich statt Zigaretten das Handy – damit man notfalls die Feuerwehr rufen kann. obs

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