Berlin : Streuwagen kippte auf spiegelglatter Straße um

Es gab nicht viele Unfälle, aber zwei spektakuläre: Ein Räumfahrzeug blieb liegen, in Spandau landete ein Autofahrer kopfüber in der Havel

Werner Schmidt

Es war so glatt, das sogar Streuwagen ausrutschten. Auf der Krampnitzer Straße zwischen Berlin-Kladow und der Bundesstraße 2 (Brandenburg) kippte Mittwoch früh ein 4,8 Tonnen schweres Fahrzeug um, das die spiegelglatte Fahrbahn streuen sollte. Es konnte erst nach rund vier Stunden aufgerichtet werden, nachdem ein zweiter Wagen die Straße gestreut hatte. Der 33-jährige Fahrer blieb unverletzt. An der Goltzstraße in Spandau-Hakenfelde landete am Mittwoch früh gegen 9 Uhr ein 34-Jähriger mit seinem Audi in der Havel. Der Fahrer wurde zwar nass, blieb aber bis auf einen Schnitt an der Hand unverletzt. Der Mann, der in dem Gewerbegebiet eine Spedition betreibt, hatte auf einem überfrorenen Teil des Geländes die Gewalt über seinen Wagen verloren, der ins Schleudern geriet und in den zugefrorenen Maselakekanal stürzte. Das Auto durchbrach das Eis und blieb in dem nur 50 Zentimeter tiefen Wasser auf dem Dach liegen. Der Fahrer konnte sich selbst aus dem Wagen befreien und an Land klettern. Die Feuerwehr zog das Auto mit einem Kran aus dem Wasser. Es hat nach Auskunft eines Polizeisprechers nur noch Schrottwert.

Polizei und Feuerwehr verzeichneten in der Nacht zu Mittwoch nicht mehr Einsätze als an gewöhnlichen Tagen. Mit Einsetzen des Schneeregens am Dienstagabend gegen 17 Uhr bis 1 Uhr Mittwoch früh zählte die Polizei 95 Unfälle. Verletzt wurde niemand, es blieb bei Blechschäden. Die meisten Unfälle, nämlich 28, ereigneten sich abends zwischen 18 und 19 Uhr. An normalen Tagen gebe es im Berufsverkehr stündlich rund 20 Unfälle, sagte ein Polizeisprecher zum Vergleich. „Viele habe sich offenbar auf die Witterung eingestellt und sind zu Hause geblieben“, sagte der Behördensprecher.

Aber nicht zu jedem Unfall mit leichtem Blechschaden wurde gleich die Polizei gerufen. Das merkten gestern die Auto-Werkstätten. Bei vielen liefen die Telefone heiß. Ford-Händler Butenuth am Brunsbütteler Damm in Spandau hatte gestern zum Beispiel zwischen 20 und 30 Prozent mehr Anfragen nach Reparaturterminen als sonst.

Nicht nur die Autofahrer, sondern auch die Fußgänger blieben beim Glatteis zu Hause. Weder die Feuerwehr noch die Krankenhäuser stellten einen Anstieg an Patienten fest, die sich bei Stürzen verletzt hatten: „Wir freuen uns darüber“, hieß es bei der Feuerwehr. Und auch aus der Charité gab es die Auskunft: „Die Leute waren vorsichtig.“ Bis auf einige Knochenbrüche und Prellungen sei es in der Notaufnahme ruhig geblieben.

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