Berlin : Strieder spricht ein Machtwort gegen die Erhöhung der Fahrpreise

Jörn Hasselmann

Die Tarifanhebung zum 1. April ist damit vorerst ausgesetzt. Auch der Verkehrsverbund rügt den AlleingangJörn Hasselmann

Verkehrssenator Strieder wird die von der BVG geplante Tarifanhebung nicht genehmigen. "Eine Fahrpreiserhöhung im Alleingang gibt es nicht", sagte er gestern, nachdem die Verkehrsbetriebe einen entsprechenden Antrag eingereicht hatten. Der Senator ist nicht erfreut über das Vorpreschen der BVG: "Ideen wären besser als Preissteigerungen", hieß es. Der neue Senator will jetzt "dringend mit der BVG über deren Preispolitik sprechen". Damit ist eine Erhöhung zum 1. April vom Tisch. Von der BVG gab es keine Stellungnahme. "Kein Kommentar", blockte Sprecherin Barbara Mansfield ab. Die letzte Erhöhung gab es am 1. März 1998.



Verärgert reagierte auch der Verkehrsverbund Berlin/Brandenburg über den "Alleingang" der BVG - und zwar in der Sache und im Stil. Denn der Aufsichtsrat des VBB hatte am 12. Oktober eindeutig auf eine Anhebung der Fahrpreise verzichtet, betonte VBB-Sprecherin Ingrid Kudirka. Als schlechten Stil wertet der VBB, dass die BVG sich nicht an den Kooperationsvertrag hält. "Nur wir dürfen Tarifanträge stellen", sagte Kudirka. Die Verkehrsverwaltung bestätigte gestern, dass die BVG den Antrag direkt eingereicht habe. Nicht nur in dieser Frage streiten sich BVG und VBB. Mitarbeiter sagen, dass die Chemie zwischen den Chefs Rüdiger vorm Walde (BVG) und Uwe Stindt nicht stimme. "Die zoffen sich wie die Kesselflicker" - und das von Anfang an.

Bewusst hatte der VBB auf eine Erhöhung zum 1. April verzichtet, "um die Fahrgäste nicht gleich wieder zu vergraulen". Schließlich hätten die seit April 1999 im VBB zusammengeschlossenen Berliner und Brandenburger Verkehrsbetriebe durch den Verbundtarif neue Fahrgäste gewonnen und dadurch höhere Einnahmen erzielt.

Auf diese Taktik setzt auch Strieder. Statt ständig nur die Preise zu erhöhen ("das ist immer das einfachste") sollten neue Angebote für "Touristen, Studenten und Arbeitslose" die Bahnen und Busse - und damit auch die Kasse füllen. Um das Semesterticket für die über 100 000 Studenten in Berlin jedoch wird seit Jahren erfolglos verhandelt.

Die BVG würde die Preise vor allem für Tages- und Zeitkarten gerne erhöhen. Die Preise für die - ohnehin teuren - Einzeltickets sollten nicht weiter steigen, ebenso blieben die Seniorenkarten unverändert. Dagegen hätten Umfragen unter den Fahrgästen ergeben, dass in den Preisen der Tageskarten noch Luft sei. Die Tageskarte für den Tarifbereich AB würde nach dem dem Willen der BVG von 7,80 auf 8,30 Mark steigen, für ABC von 8,50 auf 9 Mark. Die BVG-Strategen erkannten, das Touristen und Gelegenheitsfahrgäste sich über den günstigen Preis der Tageskarten freuen, die genau so teuer sind wie zwei Einzelfahrscheine. AB-Zeitkarten sollten jeweils 4 Mark teurer werden, auch im Standardtarif würde sie mit angestrebten 103 Mark über die 100-Mark-Schwelle springen. Für AB-Premium wären dann 118 statt 114 Mark fällig. Durchschnittlich liebäugelt die BVG mit einem Preisplus von 2,7 Prozent.

Ein anderes Gleis fährt die Bahn. Wie berichtet, hatte der neue Vorstand der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, in einem Interview betont, dass die Preise bei der Berliner S-Bahn in diesem Jahr nicht steigen sollen. Die Berliner SPD hatte der BVG daraufhin empfohlen, sich die Bahn zum Vorbild zu nehmen. Dem schlossen sich die Grünen gestern an. Der grüne Verkehrsexperte Michael Cramer geißelte diese "tarifpolitische Geisterfahrt" der BVG gestern als "selbstmörderisch". Seit 1990 hätte der Nahverkehr trotz Investitionen von zehn Milliarden Mark 20 Prozent der Fahrgäste verloren.

Möglich ist eine Tariferhöhung im zweiten Halbjahr. Im März tagt der VBB-Aufsichtsrat wieder, die nächste Preiserhöhung wäre dann im Oktober möglich. "Das ist nicht auszuschließen", sagte Kudirka. S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz bestätigte, dass es Tarifgespräche mit der BVG gebe.

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