Berlin : Strieder und Momper im Wahlkampfendspurt

Lorenz Maroldt

Lassen wir für einen Moment die Frage ruhen, was um Himmels willen eine "haltlose Korruptionsweste" ist. Der SPD-Vorsitzende Strieder meint, dass eine solche gestrickt worden ist, um sie dem SPD-Spitzenkandidaten Walter Momper umhängen zu können. Tatsächlich hat ein Wirtschaftsmagazin einen Artikel geschrieben, in dem ganz fein unterstellt wird, dass Strieder als hauptamtlicher Stadtentwicklungssenator und Momper als hauptberuflicher Projektentwickler zusammen gefummelt haben: zu Gunsten des Momper-Kunden Ikea und zum Schaden von - ja von wem eigentlich?

Leider war der Artikel nicht lang genug, um auch noch diese läppische Frage mit einer Antwort zu versehen. Darum durften sich dann die Kollegen der Berliner Blätter kümmern, denn die Geschichte war nun mal in der Welt. Das Ergebnis der Recherchen: Walter Momper hat das getan, was als Projektentwickler seine Aufgabe ist: Er hat versucht, ein Projekt zu entwickeln. Dabei musste er in den Behörden keine Bonbons oder Pöstchen verteilen oder gar Türen eintreten, denn die standen alle offen; schließlich kann sich eine wirtschaftsschwache Stadt wie Berlin darüber nur freuen, wenn ein großes Möbelhaus hier heimisch werden will. Und dass ein sozialdemokratischer Familienvater Geld verdient, selbst wenn er mit Immobilien zu tun hat, gibt heute ja auch keinen Skandal mehr her. Es fand sich einfach niemand, der an der Korruptionsweste weiterstricken wollte.

Aber angefangen zu stricken hatte jemand, und man kennt die Absicht. Strieder und Momper wurden im Wahlkampfendspurt von einer "haltlose Korruptionsstrickweste" gestreift, nein besser: Sie wurden damit beworfen - wohl in der Hoffnung, dass auf den weißen Hemden zumindest Fusseln hängen bleiben. So kam es auch, nicht zuletzt wegen Strieder. Provoziert sprach er ungeschickt aus, was andere geschickt verschwiegen: das Wort Korruption.

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