Berlin : Strieder will auf dem Flugfeld Tegel Einfamilienhäuser bauen

Tobias Arbinger

Zudem sind Wohnungen auf den Spandauer Gewerbeflächen an der Havel vorgesehenTobias Arbinger

Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) hat am Mittwoch ein städtebauliches Leitbild für große Teile von Reinickendorf und Spandau vorgestellt, das den privat finanzierten Neubau von Wohnhäusern auf Industrieflächen an der Spandauer Havel und auf dem riesigen Areal des Flughafen Tegels vorsieht. Dabei handelt es sich um die ersten Pläne für die Nachnutzung des Airports, der nach der Inbetriebnahme des geplanten Großflughafens in Schönefeld voraussichtlich 2007 geschlossen werden soll. Das "Planwerk Westraum" beinhaltet zudem verkehrsgünstig gelegene Gewerbeflächen für Dienstleister, Einkaufs- und Freizeitareale. Die "Strategie der Stadtplaner" habe wie entsprechende Papiere für die Innenstadt und den Südostraum eine Neustrukturierung Berlins zum Ziel.

Die Planung soll der sich verändernden Industriezusammensetzung und dem Bau großflächiger Wohnparks im Berliner Umland Rechnung tragen und zusätzlichen Autoverkehr so gut wie möglich vermeiden. Sie wurde in den vergangenen zwei Jahren von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und den Fachressorts Spandaus und Reinickendors entwickelt und soll nun "Grundlage für eine intensive Bürgerdebatte" sein. Im Frühjahr 2000 könnte dann wie beim Planwerk Innenstadt ein Senatsbeschluss gefasst werden. Das Leitbild wäre dann bei allen Bezirksplanungen zu berücksichtigen. Erste Bauarbeiten könnten 2002 beginnen.

Auf dem östlichen Flugfeld des Tegeler Airports sollen zwei neue Siedlungsflächen mit 4000 Wohnungen entstehen. Den Stadtplanern schweben privat finanzierte, "städtische Einfamilien- und Reihenhäuser" vor. Vorteil der Wohnlage sei der Autobahnanschluss und die Nähe zur Jungfernheide. Auf dem Terminalgelände könnte laut Strieder ein Freizeit- oder ein Ausstellungsgelände entstehen. Fünfzig Prozent des heutigen Flughafengeländes sollen als Grünfläche freigehalten werden und als "Frischluftschneise" dienen.

Auf dem Gelände des Spandauer Burgwalls und auf dem des Südhafens sieht der Plan vor, Gewerbegebiete durch Gebäude mit 1800 Wohnungen an der Havel aufzuwerten. In Stresow ist ein Mischgebiet vorgesehen. Dort könnten leerstehende Lofts zu Wohnraum werden, Cafés, Restaurants und Geschäfte entstehen. Für kleine Gewerbebetriebe und Lagerhäuser am Südhafen könnten mittelfristig auf Sophienwerder Ersatzflächen gefunden werden. Dort sei ein Logistik- und Umschlagzentrum geplant.

Die Baustadträte von Spandau und Reinickendorf, Thomas Scheunemann und Diethard Rüter (beide SPD), zeigten sich im Wesentlichen einverstanden mit den Plänen. Rüter nannte sie eine "Planung, auf der man aufbauen kann". Scheunemann sagte, er werde nicht den Fehler machen, "einzelne Ecken der Diskussionsgrundlage" zu kritisieren. Konflikte könnte es ihm zufolge um das Industriegebiet an der Spreemündung gegenüber der Spandauer Altstadt geben, wo sich Strieder ein Erholungsgebiet vorstellen kann. Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) will hingegen das Industriegebiet erhalten.

Als erstes Leitbild für das Nachwende-Berlin legte Strieder 1996 sein "Planwerk Innenstadt" vor, das unter anderem die City-West und den Alexanderplatz umfasst. Vor einem Monat folgte das "Planwerk Südostraum" für Neukölln, Treptow und Köpenick.
© 1999

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