Berlin : Strieder will das Schloss unter den Rasen bringen

Der Stadtentwicklungssenator möchte den Aufbau der kommenden Generation überlassen und einen Park anlegen. Palast der Republik könnte in zwei Jahren abgerissen sein

Christian van Lessen

Wird der Schloss-Aufbau immer unrealistischer? Nachdem die Kulturstaatsministerin Christina Weiss die Entscheidung über den Neubau auf 2005 vertagt hat, greift Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) noch weiter voraus: Die Bebauung des Schlossplatzes soll „der kommenden Generation vorbehalten“ bleiben. Alles andere sei eine Illusion. Er schlägt vor, die Fläche zu begrünen – als Verlängerung des Lustgartens. Die Schloss-Freunde aber glauben nicht an einen Tod auf Raten.

Strieder möchte schnellere Lösungen: Mit einer Grünfläche nach Art des Lustgartens könne der Schloßplatz „ein Gesicht erhalten“. Der Senator lehnte aber Vorschläge des Landessportbundes Berlin ab, der gestern unter dem Motto „Nach Abriss Sport“ eine Grün- und Sportfläche auf dem Gelände des Palastes der Republik gefordert hatte.

Die Arbeitsgruppe „Schloss-Areal“ hatte unter Leitung von Kulturstaatsministerin Christina Weiss am Dienstag einen zweijährigen Aufschub bei den Schloss-Entscheidungen vereinbart. Die vom Bundestag beschlossene Nutzung, überwiegend mit Museen und Bibliotheken, sei nach der derzeitigen Haushaltslage „finanziell nicht umsetzbar“. Die FDP–Fraktion im Abgeordnetenhaus kritisierte, dass eine „kulturpolitisch derartig herausragende Maßnahme“ von der aktuellen Haushaltslage des Bundes abhängig gemacht wird. Die bündnisgrüne Bundestagsabgeordnete Franziska Eichstädt-Bohlig erwartet aber erst „wieder Kraft zu neuen Taten und Bauvorhaben“, wenn die Bauarbeiten auf der Museumsinsel dem Ende zugehen, was mindestens noch ein halbes Jahrzehnt dauert. Auch sie schlägt eine Grünfläche vor: „Wir sollten Mut zu ein paar Jahren grüner Mitte haben.“

Die von Bund und Land Berlin besetzte Arbeitsgruppe will, dass der Palast der Republik „baldmöglichst“ abgerissen wird. „Baldmöglichst ist ein dehnbarer Begriff“, hieß es am Mittwoch aus dem Bundespresseamt. Erst müssten die technischen und finanziellen Voraussetzungen für einen Abriss gegeben sein. Das Bundesbauministerium teilte mit, dass die Abrisskosten als „Entwicklungsmaßnahme Hauptstadt Berlin“ eingeplant sind. Von den erwarteten rund 20 Millionen Euro müsste der Bund 64 Prozent tragen, den Rest das Land Berlin. Das Ministerium hatte sich kürzlich für eine Lösung entschieden, bei der die Betonwanne, die als Fundament und Grundwasserschutz des Palastes gebaut wurde, zunächst erhalten bleibt. Der Abriss gilt als kompliziert und wird nach Angaben des Ministeriums einschließlich der Planung ein bis zwei Jahre dauern.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) warnte dagegen vor einem „Stillstand“ bei den Schloss-Planungen. Er verlangte, trotz der Finanzlage mit den Planungsarbeiten für das Schloss „zügig“ zu beginnen. Hubertus Heinze vom Förderverein Berliner Schloss glaubt weiterhin an das Projekt und sieht durch das vereinbarte Moratorium keinen Rückschlag. Nun habe man eine längere Planungsphase und könne die grob geschätzten Baukosten von 670 Millionen Euro noch einmal durchrechnen. Die Schloss-Idee will man mit einer geplanten Info-Box auf dem Schloßplatz erst richtig populär machen. Die gelbe zweistöckige Info-Box soll im nächsten Frühjahr gebaut werden.

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