Berlin : Ströbele geht auf Ochsentour

Grünen-Politiker tritt wieder als Direktkandidat an

Sabine Beikler

Christian Ströbele will es wieder wissen: Der Grünen-Bundestagsabgeordnete wird wie 2002 um ein Direktmandat im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg kämpfen. Für einen Listenplatz will er sich nicht bewerben. Mit seiner Direktkandidatur wolle er zeigen, „dass mit einer ehrlichen, geradlinigen und konsequent linken grünen Politik nicht nur fünf oder acht Prozent zu erhalten sind, sondern auch Mehrheiten“. Die Grünen müssten in Zukunft eine gewichtigere Rolle im linken Parteienspektrum spielen und das nicht „Uralt-Parteien aus der DDR“ überlassen, sagte Ströbele in Anspielung auf ein mögliches Linksbündnis zwischen PDS und Wahlalternative.

In einer Zitterpartie bahnte sich bei der Bundestagswahl am 22. September 2002 eine Sensation an: Mal lag Ströbele vor seinem engsten Konkurrenten, dem inzwischen verstorbenen Andreas Matthae von der SPD, dann holte ihn der SPD-Politiker bis auf wenige Stimmen wieder ein. Zum Schluss gewann Ströbele das Mandat mit einem knappen Vorsprung von 3804 Stimmen, umgerechnet 2,4 Prozentpunkten, vor Matthae – und mit über zehn Prozentpunkten vor der PDS-Kandidatin Bärbel Grygier. Mit 31,6 Prozent holte Ströbele das bundesweit erste Direktmandat für die Grünen.

Mit dem Slogan „Ströbele wählen heißt Fischer quälen“ machte der Jurist vor drei Jahren Wahlkampf. Heute setzt sich Ströbele für Joschka Fischer als Grünen-Spitzenkandidat ein, auch wenn er Neuwahlen für falsch hält. „Aber der Zug ist abgefahren“, sagte Ströbele. Er werde auch keine rechtlichen Schritte einleiten, sollte der Bundespräsident den Weg für Neuwahlen frei machen.

Christian Ströbele wird in ein paar Tagen 66 Jahre alt. Er fühle sich fit und sei bereit, die „Ochsentour“ durch den Wahlkampf anzutreten. „Ich habe noch lange nicht fertig“, sagte der Grünen-Politiker in Anlehnung an den Spruch von Giovanni Trapattoni, dem früheren Trainer von Bayern München.

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