Berlin : Ströbele mussim Bett bleiben

Polizeibekannter Neonazi

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Besser geht es ihm, einen Tag nach dem Angriff. „Aber noch nicht gut“, sagt Grünen-Politiker Christian Ströbele. Und weil die Ärzte im Krankenhaus eine Gehirnerschütterung nicht ausschließen konnten, müssen die Grünen am Sonntag auch bei ihrer Wahlparty im Tempodrom ohne Ströbele auskommen. „Ich bleibe im Bett.“

Am Freitagmorgen war Ströbele, wie berichtet, von dem Rechtsradikalen Bendix W. aus Wandlitz überfallen worden. Ströbele erschien gegen 6.30 Uhr am Stand der Grünen auf dem Vorplatz des S-Bahnhofs Warschauer Straße. Als der Politiker, der sich im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg um ein Direktmandat bewirbt, den Stand verließ, um auf der Warschauer Brücke Flyer zu verteilen, schlug ihm der Neonazi ohne Vorwarnung einen stählernden Teleskop-Schlagstock über den Hinterkopf. „Ich dachte zuerst, dass mich ein Laster angefahren hat“, sagt Ströbele. Als er dann aber auch noch als „Hurenschwein“ beschimpft wurde, wusste es Ströbele besser.

Der Bundestagsabgeordnete ging nicht zu Boden, er verfolgte seinen Angreifer. Nichts ahnend, wem er sich da an die Fersen heftete: Bendix W. hat bereits mehrere Gefängnisaufenthalte hinter sich. Gegen ihn liefen mehrere Verfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, gefährlicher Körperverletzung und Hausfriedensbruch. Der 35-Jährige gilt innerhalb der rechten Szene als Sprengstoffexperte. Er soll sich als Wehrsportbeauftragter der inzwischen verbotenen Organisation „Nationale Alternative“ einen n in der Neonaziszene Deutschlands und Österreichs gemacht haben. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass er den Berliner Neonazi Kay Diesner gut kannte, der 1997 auf einen Marzahner Bücherhändler wegen dessen PDS- Zugehörigkeit geschossen und anschließend einen Polizisten getötet hatte. Ferner taucht der Name Bendix W. im Zusammenhang mit den Briefbombenattentaten 1993 in Österreich auf. „Hätte ich das gewusst, wäre ich wahrscheinlich nicht hinterhergelaufen“, sagt Ströbele. Auf seiner Verfolgungsjagd hielt der Politiker dann einen vorbeifahrenden Polizeiwagen an. Die Beamten stellten den Neonazi kurze Zeit später in der Marchlewskistraße. Er wurde noch am Abend einem Richter vorgeführt, der Haftbefehl erließ. Weil Bendix W. einen Arbeitsplatz und einen festen Wohnsitz vorweisen kann, erhielt er Haftverschonung. Er bekam allerdings die Auflage, sich regelmäßig bei der Polizei zu melden.

Ströbele weiß nicht, ob Bendix W. den Anschlag geplant oder eher spontan zugeschlagen hat. Aber er ist sich sicher: „Ich habe den Mann nie vorher gesehen.“ Nachdem der Bundestagsabgeordnete im Krankenhaus behandelt worden war, stellte Ströbele Strafantrag. Wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung. Katja Füchsel

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