Berlin : Ströbeles Friedensvision

Der grüne Bundestagsabgeordnete glaubt an einen 1. Mai ohne Krawalle – aber nicht in diesem Jahr

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Man traut sich kaum, die Frage laut zu stellen. Schließlich könnte man als Phantast gelten: Ist ein 1. Mai in Kreuzberg 36 ganz ohne Krawalle denkbar? HansChristian Ströbele gibt eine überraschende Antwort. „Ja“, sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete, „das kann ich mir durchaus vorstellen, sogar schon in den nächsten Jahren.“ Für Chronisten: Ströbele schaute am Dienstagabend in die Zukunft; gerade hatte er in Friedrichshain eine zweistündige Podiumsdiskussion über Sicherheitspolitik hinter sich.

Seinen Optimismus begründet Ströbele so: Die Haltung der Kiezbewohner gegenüber den Polizisten habe sich in den vergangenen Jahren deutlich geändert, ihnen schlage weitaus weniger Verachtung entgegen als früher. „Die Polizisten werden nicht mehr als ,die verfluchten Bullenschweine‘ gesehen.“ Inzwischen dächten die meisten Demonstranten differenzierter. Außerdem, vermutet Ströbele, werde es sich auszahlen, dass in diesem Jahr die Türkische Gemeinde zum ersten Mal mit den Veranstaltern in Kreuzberg zusammenarbeiten wolle. „Türkische Väter haben für die Krawallmacher schließlich eine ganz andere Autorität als Politiker, Anwohner und hunderte Polizisten zusammen. Wenn es in irgendeiner Ecke des Festes kritisch wird, und die sagen ihren Jungs ,Jetzt ist Schluss‘, dann ist Schluss.“

Dass es am Samstag friedlich bleiben könnte, glaubt Ströbele allerdings nicht – weil die Polizei linken Gruppen verboten hat, ihre Demonstration durch die Oranienstraße zu führen, wo das „Myfest“ stattfindet. „Das Verbot ist die beste Voraussetzung dafür, dass es wieder Ausschreitungen gibt“, sagte Ströbele. Das Stadtteilfest dürfe nicht als Vorwand dienen, eine politische Demo zu verhindern. Das vergangene Jahr habe gezeigt, dass sich politische Demonstrationen und das Myfest nicht ausschließen.mne

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