Berlin : Stromausfall legt Zentrum lahm

Kunden gerieten ins Schwitzen Geschäfte mussten schließen – Aufzüge blieben stecken

Klaus Kurpjuweit

Ein Stromausfall hat gestern im westlichen Zentrum im Bereich Tauentzienstraße und Wittenbergplatz Geschäfte lahm gelegt, Staus auf den Straßen verursacht und zu Verspätungen bei der U-Bahn geführt. Während in größeren Häusern wie dem Europa-Center Notstromaggregate anliefen, so dass zumindest dort niemand in Aufzügen stecken bleiben musste, blieben kleinere Häuser ohne Strom. Hier musste die Feuerwehr mehrere Personen aus Aufzügen, die stecken geblieben waren, befreien. Das KaDeWe blieb nach eigenen Angaben vom Ausfall verschont. Nur in einem der Parkhäuser gingen nach Angaben einer Sprecherin vorübergehend die Lichter aus.

Wie der Stromkonzern Vattenfall mitteilte, waren knapp 12 000 Kunden betroffen. Mehrere so genannte Ringleitungen seien zwischen 14.41 Uhr und 16.10 Uhr ohne Saft gewesen. Deshalb habe man die Stromversorgung nicht kurzfristig durch ein Umschalten auf andere Leitungen wieder in Gang bringen können. Um 15.39 Uhr habe ein Großteil der Betroffenen aber wieder Strom gehabt. Ursache des Defekts sei ein Trafoschaden in einem Umspannwerk gewesen, sagte eine Sprecherin.

Geschäfte, die ohne Strom blieben, mussten schließen, weil die elektronischen Kassen nicht mehr funktionierten. Auch der Diebstahlschutz fällt ohne Energieversorgung aus. Wo Kunden noch Einlass fanden, gab es keine Kühlung, denn auch die Klimaanlagen funktionierten nicht mehr.

Stecken gebliebene Aufzüge wurden von der Feuerwehr per Hand bis zur nächsten Türöffnung gekurbelt, wo die Eingesperrten dann die Kabine verlassen konnten. Wie viele Einsätze es insgesamt gab, konnte die Feuerwehr gestern noch nicht sagen.

Verspätungen gab es auch bei der U-Bahn, obwohl der Fahrstrom nicht aus dem öffentlichen Netz kommt. Bei großen Stromausfällen könne aber ein Umformer ausfallen, hieß es bei der BVG. Beeinträchtigt seien dann unter anderem die Signalanlagen. Züge der Linien U 2, U 3, U 7 und U 9 hatten durchschnittlich Verspätungen von 15 bis 20 Minuten. Ampelausfälle führten zu Staus auf den Straßen. Die Busse kamen aber nach BVG-Angaben gut voran.

Einen Stromausfall aufgrund der Hitze hielt die Vattenfall-Sprecherin für unwahrscheinlich. In diesem Sommer habe es in Berlin bisher nicht mehr Stromausfälle gegeben als im Vorjahr, das erheblich kälter war. Die Kraftwerke arbeiteten derzeit nicht am Limit. Ohnehin sei in Berlin der Stromverbrauch im Winter höher als im Sommer, weil es hier weit weniger Klimaanlagen gibt als etwa in den USA.

In New York sind nach einer Panne im Leitungsnetz Zehntausende seit Tagen ohne Strom, in Kalifornien schlossen die Versorger gestern wegen des hohen Verbrauchs Stromabschaltungen nicht aus.

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