Berlin : Stromboli

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Deike Diening über

heiße Winterurlaube

Für die Jahrtausendwende hatten wir uns wirklich was ausgedacht. Wir beschlossen, zum Vulkan Stromboli zu fahren und hinaufzuklettern, um vor Sizilien ein natürliches Feuerwerk zu sehen, das, wir waren uns sicher, alle herkömmlichen Feuerwerke übertreffen müsste. Wir wollten trampen, denn wir waren harte Hunde und hatten kein Geld. Kurz nach Weihnachten hielten wir in Dreilinden den Daumen raus.

Als der nächste Morgen graute, stand unser Lastwagen bockig auf irgendeinem Alpenpass und fuhr einfach nicht weiter. Der Fahrer kochte sich was auf dem Gaskocher und bot uns nichts an. Er sprach plötzlich auch keine Sprache mehr. Nicht eine. Drumherum kein Mensch, nur Alpen, tief verschneit, wunderschön und still. Aber auch höllisch. Wir hingen fest. Arreviderci, Stromboli.

Eines ist klar: Wäre es dieses Jahr gewesen, wir hätten die Rucksäcke geschultert und wären losgewandert. Wir hätten abends die Zeltheringe in den Boden geschlagen und die Schlafsäcke ausgerollt. Dieses Jahr sind dort Plusgrade, beinahe wie im Frühling. „Alpenglühen“ gewinnt eine ganz neue Bedeutung. Niemand rutscht aus in Tirol. Und niemand muss mehr nach Sizilien. Nur so als Empfehlung für alle harten Hunde ohne Geld.

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