Stromfresser : Gehwegheizung vor Haus Cumberland lässt Grüne kochen

Der Energieverbrauch der elektrischen Abtauanlage am Kurfürstendamm hat zu Streit zwischen Investoren und Umweltschützern geführt. Dabei rechnen beide Seiten mit sehr unterschiedlichen Zahlen.

von
Heißes Pflaster. Der Gehweg vor dem Haus Cumberland befindet sich teilweise in Privatbesitz. Am Übergang zum öffentlichen - und unbeheizten Teil - befindet sich eine Rinne, damit das Tauwasser abläuft
Heißes Pflaster. Der Gehweg vor dem Haus Cumberland befindet sich teilweise in Privatbesitz. Am Übergang zum öffentlichen - und...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Der beheizbare Gehweg vor dem Haus Cumberland erhitzt die Gemüter. Nachdem der Tagesspiegel Mitte Januar über den energieintensiven Luxus vor dem altehrwürdigen Gebäude am Kurfürstendamm berichtet hatte, schrieb Grünen-Landeschefin Bettina Jarasch den Eigentümern einen bösen Brief und forderte im Namen ihrer Partei, „diese Heizung ein für allemal abzuschalten“, weil sie „ein Klimakiller erster Güte“ sei. Die Stromkosten von schätzungsweise 15 000 Euro im Jahr sollten die Eigentümer doch bitte lieber in Winterdienstpersonal investieren. So täten sie der Stadt mehr Gutes als damit, elektrisch den Schnee vor ihrer Tür wegzutauen.

Doch die Investoren des Cumberland denken gar nicht daran. Der „in platter Wahlkampf-Manier“ verfasste Brief verkenne nicht nur die denkmalgerechte und energieeffiziente Sanierung des Hauses, sondern ignoriere auch die abgasintensive Anfahrt der Winterdienstfahrzeuge, die man sich dank der Anlage spare. Bei der handele es sich nicht um eine Heizung, sondern um eine Auftauanlage, die nur bei Schneefall oder Eisregen in Betrieb sei. Im Übrigen seien auch Fußballrasen, Garagenausfahrten und in Städten wie Stockholm und Göteborg „die Gehwege ganzer Straßenzüge“ beheizt.

Letzteres ist allerdings nur die halbe Wahrheit, weil die Technik in Skandinavien üblicherweise Erdwärme nutzt, während vor dem Cumberland eine elektrische und damit zwangsläufig besonders ineffektive Heizung läuft.

Auch zu deren Strombedarf machen die Investoren ihre eigene Rechnung auf: An einem durchschnittlichen Schneetag brauche sie 1280 Kilowattstunden für gut 250 Euro. Die Grüne hatte sich auf Tagesspiegel-Berechnungen anhand von Daten des Herstellers bezogen: Dann stünden nach 24 Betriebsstunden 5760 Kilowattstunden für 1500 Euro auf dem Zähler. Die Cumberland-Rechnung ergibt einen Preis von 19,5 Cent pro Kilowattstunde. So günstig gibt’s Strom nur noch für Großverbraucher.

43 Kommentare

Neuester Kommentar