• Studenten besetzten das Rote Rathaus Täglich gehen die Demos gegen die Kürzungen weiter.

Berlin : Studenten besetzten das Rote Rathaus Täglich gehen die Demos gegen die Kürzungen weiter.

Streikende befürchten Protestpause während der Ferien

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Noch scheint ihre Ausdauer unbegrenzt. Tag für Tag machen Berlins streikende Studenten mit neuen Protesten auf sich aufmerksam. Gestern Abend besetzten rund 40 Studenten das Rote Rathaus – bis Redaktionsschluss hatten Polizisten den Festsaal des Rathauses noch nicht geräumt. Auch draußen protestierten rund 70 Studierende. Schon tagsüber hatten Demonstranten trotz frostiger Kälte vor dem Rathaus ausgeharrt, marschierten in kleinen Gruppen Unter den Linden entlang oder trafen sich zu „öffentlichen Vorlesungen“ im Lustgarten, Sony Center oder auf dem Potsdamer Platz.

Die Studenten hatten am Abend die Lesung des Schriftstellers Carlos Fuentes verfolgt und sich dann geweigert, den Festsaal zu verlassen. „Mit der Aktion wollen wir unseren Forderungen Nachdruck verleihen und den Regierenden Bürgermeister, Thilo Sarrazin und Thomas Flierl zum Gespräch an einen Tisch bitten“, sagte Anna Groß, 24, Studentin der Kulturwissenschaften an der HU Berlin nachts im Roten Rathaus. Ihre Forderungen verlasen die Studenten auch vom Balkon des Rathauses aus per Megaphon. Gegen 22 Uhr standen noch alle Besetzer auf dem Balkon, johlten und pfiffen. Gegen eine Räumung wollten sie sich nicht mit Gewalt wehren, kündigte Frau Groß an – es sei eine friedliche Aktion. Bei der Polizeipressestelle hieß es, man werde die Personalien der Besetzer ermitteln, da es sich um Hausfriedensbruch handele. Der Hausherr müsse dann prüfen, ob er Anzeige erstatten wolle.

Zunehmend machen sich die Studenten Gedanken, wie sie Proteste aufrechterhalten können. Denn der Hauptgegenstand der Empörung, der Haushalt, wird voraussichtlich erst im Februar oder März beschlossen. Davor liegt etwas, was den Studenten und ihren politischen Sympathisanten Sorge bereitet: „Die vermaledeite Weihnachtspause“, wie es der PDS-Politiker Benjamin Hoff nennt. Er hofft, dass „die Studenten eine Protestkultur entwickeln, die bis ins nächstes Jahr anhält.“ Für die nächsten Tage sehen die Streikführer der drei Unis noch keine Protestmüdigkeit. Im Gegenteil. „Durch Aktionen wie öffentliche Vorlesungen haben wir noch mehr Energie bekommen“, sagt Studentin Mandy Glanz vom Aktionsrat der HU. Am Montag hatten sich bereits die Studenten der FU während einer Vollversammlung für eine weitere Streikwoche ausgesprochen– heute stimmen HU und TU ab. Neuen Schwung erhoffen sich Studierende durch die Kooperation mit anderen Unis. Am 13. Dezember soll es eine „europaweite Demonstration“ geben.

Innerhalb der Unis regt sich aber auch Widerspruch gegen die Proteste. So hat sich eine Gruppe von Politikstudenten der FU in einem Schreiben an den Tagesspiegel gewandt, in dem sie berichtet, dass an ihrem Institut der Widerstand gegen den Boykott des Lehrbetriebs „immer massiver“ werde. Auch hätten die Streikenden Probleme, genug „Streikposten“ für die Institutssperrrung aufzubieten. TU-Streikaktivist Gerald Hiller gibt zu bedenken, dass die Protestierer an seiner Uni nach wie vor nur eine Minderheit sind. lvt/kög

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