Berlin : Studentenstolz

Nobelpreisträger und weltbewegende Ideen: die Geschichte der Humboldt-Uni

Anja Kühne

Gehören Sie zu den glücklichen Eltern, dessen Kind gerade den Numerus clausus unterlaufen und einen Studienplatz an der Humboldt-Universität ergattert hat? Wenn Sie für Ihren Erstsemester noch ein kleines Geschenk zum Studienanfang suchen: Gianluca Falangas Buch „Die Humboldt-Universität“ eignet sich gut, den Stolz der Familie auf den erfolgreichen Studienbewerber noch zu mehren. Falanga entfaltet die ganze Pracht der alten Berliner Universität, als deren Nachfolgerin sich die von den Kommunisten 1949 gegründete Humboldt-Uni versteht.

Die Geschichte der Mutter aller Universitäten beginnt mit einer königlichen Kabinettsordre. Am 16. August 1809 verfügt Friedrich Wilhelm III. die Gründung der Berliner Universität an einem angemessenen Ort: dem Prinzenpalais Unter den Linden. Was folgt, ist Berlins Aufstieg zur weltweiten Nummer Eins der Wissenschaft. Falanga hat für die alten Größen mehrere Listen angelegt, mit denen Humboldt-Studenten jeden Harvard-Kommilitonen neidisch machen können: 24 berühmte Professoren von Wilhelm von Humboldt über Arthur Schopenhauer bis zu Lise Meitner, 29 Nobelpreisträger, acht „Ideen, die die Welt veränderten“ (von Hegels Geschichtsphilosophie bis zu Einsteins Relativitätstheorie) und 16 historische Gebäude. Unter der Rubrik „Ruhmreiche Vorbilder“ findet der Leser 13 der „berühmtesten Studenten“, wie Adalbert von Chamisso, Karl Marx oder Heinrich Heine. Otto von Bismarck ist auch darunter, obwohl über ihn zu erfahren ist, dass er wie ein moderner Langzeitstudent „nur nachlässig studierte und kaum Vorlesungen besuchte“.

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Die Humboldt-Uni, heute ein von Sparzwängen und Reformdruck geprägter Massenbetrieb, in dem Studenten manchmal noch immer an Resopal-Tischen aus der DDR-Zeit sitzen müssen – davon weiß Falanga nichts. Der in Italien aufgewachsene Autor lebt erst seit drei Jahren in Berlin. So ist ihm der alte Glanz der Uni näher als ihre heutige Wirklichkeit. Einen leidenschaftlichen Humboldtianer wird das nicht stören. Anja Kühne

Gianluca Falanga: Die Humboldt-Universität. Berlin Story Verlag, 238 Seiten. 19,80 Euro.

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