Berlin : Studie: Berlin investiert zu wenig in die Bildung

Die Stadt landet bundesweit auf drittletztem Platz

Susanne Vieth-Entus

Zu arm, um gut zu sein: Dies ist, knapp gesagt, das Berliner Ergebnis des aktuellen „Bildungsmonitors“ der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Demnach landet Berlin auf dem drittletzten Platz – nur vor Bremen und Nordrhein-Westfalen –, weil es aufgrund seiner Haushaltslage nicht genug in Kitas, Schulen und Hochschulen investieren kann. Der Ländervergleich, der gestern vorgestellt wurde, beruht auf Daten von 2003 und 2004. Vergangenes Jahr belegte Berlin Platz elf.

Die Wissenschaftler attestieren den Berlinern zwar, die Effizienz des Bildungssystems gesteigert zu haben. Der Ressourceneinsatz bleibe aber eine „Hauptschwäche“, was ebenso zu der schlechten Platzierung beitrage wie die schwierige Haushaltslage. Sie begrenze den Spielraum für größere Investitionen stark. Als Beispiel nennt die Untersuchung den Anteil der Ausgaben für Lehrmittel. Dieser Anteil liegt in Berlin bei nur 7,6 Prozent und ist damit halb so groß wie im Bundesdurchschnitt.

Als Stärke Berlins nennt die Untersuchung den hohen Anteil an Hochschulabsolventen an der Gesamtbevölkerung. Er beschere dem Berliner Arbeitsmarkt viele Nachwuchsakademiker. Positiv erwähnt wird auch, dass es inzwischen weniger Frühpensionierungen dienstunfähiger Lehrer gebe. Nicht erwähnt wird, dass nicht etwa der bessere Gesundheitszustand der Lehrer, sondern in erster Linie die hohen Versorgungsabzüge bei Frühpensionierungen diesen Rückgang ausgelöst haben. Dies ist eine der Schwachstellen der Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln erstellt wurde. Kritisch erwähnen die Wissenschaftler, dass Berlin generell weniger als die anderen Länder für Berufs- und Hochschulen ausgibt.

Angesichts der Berliner Finanzmisere weist die Untersuchung darauf hin, dass sich die Stadt 46,6 Millionen Euro aus dem Länderfinanzausgleich entgehen lasse. Dies könne man ändern, wenn man darauf bestehe, dass Studenten ihren ersten Wohnsitz in Berlin anmelden. Die Flächenstaaten sind dabei die lachenden Dritten: Sie müssen kaum in „landesfremde“ Studenten investieren. Anders gesagt: Wer in Bayern studiert, hat dort auch seinen ersten Wohnsitz.

Positiv für Berlin schlägt zu Buche, dass es viele Ganztagsschulen gibt: Im Bundesdurchschnitt liegt der Anteil bei zehn Prozent, in Berlin bei 20 Prozent. Ebenfalls gelobt wird, dass Berlin mehr Migranten zum Abitur führt und zwar 11,9 Prozent gegenüber 8,3 im Bundesschnitt und gegenüber 3,9 Prozent in Baden-Württemberg. Die Bildungsverwaltung kritisierte die Studie als „veraltet“, da sie auf überholten Daten beruhe. Sie spiegele auch nicht die Ergebnisse des Schulgesetzes mit den daraus resultierenden Investitionen in den Grundschulen und dem weiteren Ausbau der Ganztagsangebote.

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