Studie : Berliner leben fünf Jahre länger als Anfang der Neunziger

Die Berliner leben immer länger. Die Folge ist: Der Anteil der älteren Menschen an der Berliner Bevölkerung steigt stetig. Und weil unter den Alten auch die Zahl derer zunimmt, die vom Existenzminimum leben, steigt auch die Zahl der Kranken und Pflegebedürftigen rasant.

Ralf Schönball
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Ältere Bevölkerung. Nur 28 Prozent der über 50jährigen verdienen mehr als 1500 Euro. -Grafik: Berliner Senat

BerlinDie Berliner leben immer länger. Das steht im neuen Gesundheitsbericht des Senats. Weil aber zu wenig Kinder geboren werden, steigt der Anteil der älteren Menschen an der Bevölkerung stetig. Und weil unter den Alten auch die Zahl derer zunimmt, die vom Existenzminimum leben, steigt auch die Zahl der Kranken und Pflegebedürftigen rasant. Dabei entscheiden Bildung, Einkommen und Vermögen, also der „Sozialstatus“, über gesundes Leben oder vorzeitigen Tod. Das spaltet die Stadt: Ein Bewohner des ärmeren Neukölln stirbt im Schnitt vier Jahre früher als im bürgerlichen Charlottenburg-Wilmersdorf.

Die durchschnittliche Lebenserwartung von neugeborenen Frauen liegt in Berlin bei 82 Jahren und bei Männern bei 77 Jahren. Allerdings schrumpft diese Differenz stetig: Denn heute leben die Männer wesentlich gesünder als Anfang der 90er Jahre und deshalb auch sechs Jahre länger als damals – die Lebenszeit der Berlinerinnen verlängerte sich dagegen „nur“ um 4,8 Jahre in dieser Zeit. Im Durschnitt lebt man in Berlin also gut fünf Jahre länger als noch vor knapp 20 Jahren. Die „Lebensqualität“ der Männer ist im Alter ohnehin besser als bei Frauen: Männer sind nur zwei Jahre pflegebedürftig, Frauen dagegen durchschnittlich vier Jahre auf die Hilfe anderer angewiesen.

Gesundheitsbericht
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1 von 7Grafik: Berliner Senat
29.07.2009 08:29Ausländeranteil. Anteile der jüngeren (0 - 49 Jahre) und älteren (50 Jahre und älter) Bevölkerung an der Berliner Bevölkerung...



Die Lebensqualität im Alter aufrechtzuerhalten, das ist das Ziel von Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke). Eine Herausforderung angesichts einer Zukunft, in der immer mehr Alte immer weniger zum Leben haben. „Die Altersarmut nimmt zu wegen der häufiger gebrochenen Erwerbsbiografien und prekären Beschäftigungsverhältnisse“, sagt Lompscher. Schon heute sind die Bewohner von Bezirken mit niedrigem sozialen Status häufiger krank als in den wohlhabenden Quartieren. Und aus den schlechten Lagen wandern Fachärzte ab, weil ihnen die Einkünfte aufgrund der geringen Zahl von Privatpatienten nicht reichen. „Dagegen gibt es kein Mittel“, so Lompscher. 

„Alt“ sind Berliner im neuesten Bericht bereits ab 50. Damit folgt man einer Empfehlung der Weltgesundheits-Organisation mit dem Ziel, durch eine frühzeitige Gesundheitsförderung Krankheit vorzubeugen. Der bevorzugte Wohnort der Alten ist Steglitz-Zehlendorf. Dort ist fast jeder Zweite über 50. In Friedrichshain-Kreuzberg ist es nur jeder Vierte. Und in Gesamt-Berlin wird der Anteil der Alten von heute knapp 37 Prozent auf 43 Prozent im Jahr 2030 steigen. Am rasantesten altert Marzahn-Hellersdorf: Heute noch einer der fünf „jüngsten“ Bezirke, ist er in 20 Jahren das drittälteste Quartier der Stadt. Auf diese „große Herausforderung für die künftige Gestaltung der Stadt“, so Lompscher, reagiert der Senat. Gestern wurden 27 Beratungsstellen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen eröffnet. Herz- und Kreislaufkrankheiten, Altersdiabetes, Lungenentzündung und Krebs zählen zu den häufigsten Krankheiten im Alter. Aber auch Vergiftungen, Stürze gefährden das Leben im Alter – und Suizid. Weniger als zehn Prozent der über 60-Jährigen suchten in Lebenskrisen Kontakt zum Krisendienst.

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