Studie : Berliner Wirtschaft auf dem vorletzten Platz

Eine neue Studie vergleicht die Leistung der Bundesländer. Danach ist der Wirtschaftsstandort Berlin immer noch eines der Schlusslichter. Dennoch glauben die Forscher an das Zukunftspotenzial der Stadt.

Kathrin Drehkopf

Berlin tut einiges für seine wirtschaftliche Entwicklung, und doch gehört der Wirtschaftsstandort im Bundesländervergleich immer noch zu den Schlusslichtern. Das geht aus einer Studie der Initiative Soziale Marktwirtschaft und des Magazins Wirtschaftswoche hervor, die am Freitag in Berlin vorgestellt wurde.

Hierbei wurde der Ist-Zustand der Wirtschaftsstandorte sowie deren Entwicklung über die vergangenen drei Jahre untersucht. Demnach landet Berlin als Wirtschaftsstandort auf Platz 15, dahinter liegt nur noch Sachsen-Anhalt. Den ersten Platz belegt Bayern. Im Bereich Wirtschaftsdynamik liegt Berlin dagegen im Mittelfeld auf Platz acht, am besten schnitt hier Hamburg ab.

In der Hauptstadt wuchs das Bruttoinlandsprodukt zwischen 2004 und 2007 mit 3,6 Prozent am schwächsten, der Bundesdurchschnitt lag bei 6,4 Prozent. Der Anteil an Hartz-IV-Empfängern ist in Berlin dagegen um 3,2 Prozentpunkte am stärksten angestiegen (Bundesdurchschnitt: 1,4 Prozent). Mittlerweile beziehen in Berlin mehr als 13 Prozent der Bevölkerung Hartz IV, so viel wie in keinem anderen Bundesland. Der Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung zwischen 15 und 65 Jahren liegt in Berlin bei etwas mehr als 60 Prozent, acht Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt. Damit liegt Berlin an letzter Stelle. Auch die Chance auf einen Ausbildungsplatz ist so schlecht wie nirgends sonst. Auf 100 Suchende kamen nur knapp 87 Lehrstellen, im Bundesdurchschnitt waren es mehr als 98 Ausbildungsplätze.

Ein alarmierendes Ergebnis erzielte Berlin zudem in puncto Sicherheit und belegt auch hier nur den letzten Platz. Im Jahr 2007 wurden mehr als 14 500 Straftaten je 100 000 Einwohner gemeldet, fast doppelt so viele wie durchschnittlich in anderen Bundesländern.

Trotz dieser schlechten Ergebnisse sieht Karl Lichtblau, Leiter der Studie, in der Berliner Wirtschaft Zukunftspotenzial. „Vor allem in den Bereichen Wissenschaft und Touristik könnte die Hauptstadt eine Sogwirkung entfalten“, sagte er. Dass Berlin auch als High-Tech-Standort immer wichtiger wird, belegt eine weitere Untersuchung des IT-Branchenverbandes Bitkom. Sieben Prozent der Beschäftigten in Berlin arbeiten demnach im IT-Bereich wie zum Beispiel in der Medizintechnik oder der Unterhaltungselektronik. Von zehn untersuchten Regionen landet Berlin damit auf Platz fünf.

Die Stimmung bei den Berliner Unternehmen ist jedoch weiterhin gut. So lautet das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK). Zwar sank der betreffende Index von 136 auf 119 Punkte, jedes vierte Unternehmen bewertet die Wirtschaftslage aber immer noch als gut. Immerhin die Hälfte ist mit der jetzigen Situation zufrieden. Besonders optimistisch ist die Industrie, die im ersten Quartal ihre Umsätze steigern und mehr Aufträge verbuchen konnte. Insgesamt planen ein Drittel der Firmen Neueinstellungen. Kathrin Drehkopf

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