Studie : Brandenburg fährt bei E-Mobilität hinterher

Wenn man mit einem Elektrofahrzeug in Brandenburg unterwegs ist, kommt man bisher nicht allzu weit. Doch es gibt Potenzial – vor allem im Berliner Umland.

Es gibt sie doch. Bernau gehört zu den Städten, in denen es eine Ladestation für Elektroautos gibt. 
Es gibt sie doch. Bernau gehört zu den Städten, in denen es eine Ladestation für Elektroautos gibt.  Foto: Patrick Pleul/dpa

Nach einer jetzt veröffentlichten Studie des renommierten Rainer-Lemoine-Institutes haben die Flughafengemeinde Schönefeld und die Landeshauptstadt Potsdam aktuell die besten Voraussetzungen, um Vorreiter für Elektromobilität im Land zu werden. In Potsdam etwa gibt es bisher 36 Ladepunkte. Das ist die größte Dichte im Land, weitere 42 wären nötig.

Die Studie hat im Auftrag des Brandenburger Wirtschaftsministeriums untersucht, welche Regionen die besten Potenziale für Nutzung und Betrieb von Elektrofahrzeugen haben. 400 Orte wurden unter die Lupe genommen, nach Schönefeld und Potsdam folgen Hennigsdorf und Königs Wusterhausen auf den Plätzen drei und vier. Insgesamt sind die möglichen Vorreiterregionen für Elektromobilität die regionalen Wachstumskerne, die von der Landesregierung vorrangig gefördert werden sollen, und Orte im näheren Berliner Umland. Teltow etwa landet auf Platz 27, Kleinmachnow auf Platz 29.

„Eine kurzfristige Förderung der Elektromobilität erscheint daher im Berliner Umland und den regionalen Wachstumskernen am sinnvollsten“, so ein Fazit der Studie. „In Gebieten mit geringem Potenzial sind gezielte Aktivierungen zum Beispiel an Behördenstandorten erforderlich.“ Um flächendeckend Ladestationen zu gewährleisten, müssten im Land 300 zusätzliche öffentliche Normalladestationen sowie 132 Schnellladepunkte entlang von besonders frequentierten Straßen etwa nach Berlin errichtet werden. Dann wäre „das elektromobile Reisen in der Initialphase der Elektromobilität im gesamten Bundesland gewährleistet“.

Am besten geeignet ist Schönefeld

Bislang ist Brandenburg, das sonst einer der Tempomacher beim Ausbau erneuerbarer Energien ist, bei Elektromobilität ein Nachzügler – auch im Vergleich zu anderen deutschen Ländern. Bislang gibt es nur 51 öffentliche Ladestationen, nur das Saarland ist mit 26 noch schlechter. In Sachsen, nur ein Beispiel, sind es 405. Etwas besser sieht Brandenburg aus, wenn private Stationen mitgezählt werden, dann existieren 556 Ladepunkte. Mit 43 Ladestationen je eine Million Einwohner liege Brandenburg deutlich hinter dem Bundeswert von 66, heißt es in der Studie. Und: „Im Transportgewerbe steht die Energiewende noch in den Startlöchern, da sowohl der Anteil zugelassener Elektrofahrzeuge gering ist, als auch der Ausbau des Ladesäulennetzes nur langsam voranschreitet.“

Umso mehr wären Leuchttürme nötig. Am besten geeignet ist Schönefeld. „Die Region um den künftigen Hauptstadtflughafen BER wird sich zu einem Hotspot der Elektromobilität entwickeln können.“ Es biete sich an, die Flughafenmitarbeiter per Elektrobussen zu ihren Arbeitsplätzen zu fahren. Man könnte in Parkhäusern Ladestationen integrieren. Die Ausgangslage sei ideal.

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Die Studie legt auch Probleme offen. So wurde für den Fuhrpark des uckermärkischen Windenergiedienstleisters Enertrag untersucht, ob eine Umstellung auf Elektrofahrzeuge möglich ist. Zwar könnten 80 Prozent der Fahrten mit Elektrofahrzeugen, die Reichweiten bis 200 Kilometer haben, zurückgelegt werden. Doch „im Rahmen der Gesamtbetriebskostenabrechnung (...) wurde deutlich, dass aufgrund der hohen Anschaffungskosten gegenüber konventionellen Modellen die Wirtschaftlichkeit noch nicht erreicht werden kann“.

Das Wirtschaftsministerium setzt auf ein e-mobiles Brandenburg

Beispielhaft untersucht wurde auch, wie eine Umstellung des Busverkehrs in Trebbin (Landkreis Teltow-Fläming) aussehen könnte, mit 10 000 Einwohnern eine typische Kleinstadt. Hier könnten aus Sicht der Experten Elektrobusse rollen, was 90 Prozent weniger der Treibhausgase im Busverkehr bedeutete. Voraussetzung wäre jedoch eine ausgeklügelte Strategie, auch eine hohe Förderung wegen der Anschaffungskosten für die Fahrzeuge und des Baus von Ladestationen. Verwiesen wird darauf, dass international der Trend in diese Richtung geht. So ersetze die Stadt Eindhoven gerade 43 Dieselbusse durch E-Busse. Die Dimension der Energiewende auf der Straße illustriert dieser Vergleich. „Im Land Brandenburg müssten 2400 Busse für eine Elektrifizierung in Betracht gezogen werden.“

Das Wirtschaftsministerium setzt auf ein e-mobiles Brandenburg. Minister Albrecht Gerber (SPD) erinnert etwa an die jüngste Entscheidung der Dekra, den Lausitzring zur Teststrecke für autonomes Fahren zu machen. Das unterstreiche die Potenziale des Landes „für die Mobilität der Zukunft“.

Die Studie mahnt dabei eine „strategische Vorgehensweise“ an, um Akteure in Brandenburg zu aktivieren, „damit auch vor dem Hintergrund des Dieselskandals und drohender Fahrverbote der Umschwung von konventionellen zu elektrisch betriebenen Fahrzeugen gelingt“. Das Institut hat bereits den Auftrag für eine Folgestudie erhalten. Nun soll für sieben ausgewählte Standorte – bewerben können sich Firmen und Kommunen – konkret und praxisnah eine Umstellung auf Elektromobilität untersucht werden.

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