Studie : Brandenburgs Jugend ist so optimistisch wie nie

Eine Studie zeigt: Junge Menschen in Brandenburg sind zufriedener und sehen ihre Zukunft wieder im eigenen Land. Die Akzeptanz von Rechtsextremismus sinkt.

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Potsdam – In Brandenburg lehnen immer mehr Jugendliche Rechtsextremismus ab. Das geht aus der von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Dienstag vorgestellten Studie „Jugend in Brandenburg 2010“ hervor.

Der Befund ist bemerkenswert, da das Land wegen erschreckender Gewalttaten gegen Ausländer stets mit dem Image als Hochburg brutaler Neonazis zu kämpfen hatte. Brandenburg rangiert seit Jahren bei rechten Straftaten auf Spitzenplätzen, rechtsextreme Kriminalität liegt über dem Bundesdurchschnitt. Tatsächlich waren auch unter Jugendlichen rechtsextremistische Einstellungen lange Zeit weit verbreitet. In ihrer seit 1993 nun zum sechsten Mal vorgelegten Zeitreihen-Studie registrieren die Forscher um Dietmar Sturzbecher vom Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung an der Universität Potsdam einen Rückgang und eine sinkende Akzeptanz der Neonazi-Ideologie. Laut der neuesten Studie lehnen 60,2 Prozent aller Jugendlichen zwischen zwölf und 20 Jahren rechtsextreme Einstellungen ab. Das ist im Vergleich zu 1993 ein deutlicher Anstieg, damals war es nur ein Drittel. Selbst im Vergleich zur Studie von 2005 stieg der Anteil nochmals um acht Prozent an. Kaum Veränderungen gibt es beim harten Kern der Rechtsextremisten und den Sympathisanten. Deren Anteil ist seit fünf Jahren mit 13 Prozent nahezu stabil, 1993 lag er bei 25 Prozent. Aktuell stimmen drei Prozent der Jugendlichen rechtsextremen Aussagen völlig und zehn Prozent tendenziell zu. „Diese Jugendlichen können wir offenbar nicht erreichen“, sagte Sturzbecher.

Trotz wachsender Ablehnung der Neonazi-Ideologie herrscht immer noch Ausländerfeindlichkeit. Rund 40 Prozent der Jugendlichen – 1993 waren es noch zwei Drittel – sind der Ansicht, dass es im Land zu viele Ausländer gibt: trotz des geringen Bevölkerungsanteils von nicht einmal zwei Prozent. Noch höher liegen die Werte in Sachsen, wo 51 Prozent der Jugendlichen meinen, der Ausländeranteil sei zu hoch.

Leicht gesunken ist der Anteil derer, die ausländerfeindlichen Äußerungen völlig und tendenziell zustimmen – von 27 auf 22 Prozent. Mehr als drei Viertel der Jugendlichen lehnen solche Äußerungen ab, so viel wie nie vorher.

Regierungschef Platzeck wertete die Ergebnisse als „positive Entwicklung“, in der sich das Handlungskonzept „Tolerantes Brandenburg“ niederschlage. Der Befund hängt offenbar auch mit den besseren Aussichten für Jugendliche zusammen. In der Pilotstudie 1993 ging es noch um „wendebedingte“ Veränderungen der Lebenssituation. Heute ist die Mehrheit zufrieden, die Belastung der Familien durch Arbeitslosigkeit und Geldnot zurückgegangen. Die meisten der 3132 befragten 12- bis 20-Jährigen blicken optimistisch in die Zukunft. Die Ost-West-Diskussion spielt eine immer geringere Rolle, nur für 21 Prozent ist das Thema überhaupt noch relevant.

Die Jugendlichen seien nach den Umbrüchen des Systemwandels nach 1990 in der gesamtdeutschen Gesellschaft angekommen und sähen ihre berufliche Zukunft immer positiver, sagte Platzeck. Familie, Kinder, Bildung, Beruf und soziale Werte werden für sie immer wichtiger.

Zwar wollen nur wenige in Parteien aktiv sein, die Forscher registrierten aber ein steigendes Engagement in Bürgerinitiativen und Protestbewegungen. Für Platzeck besonders erfreulich ist noch etwas anderes: Immer mehr Jugendliche sehen ihre Zukunft wegen besserer Berufschancen nicht nur in den alten Bundesländern, sondern auch wieder in Brandenburg.

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